Gewalt an Schulen

Samstag, 7. April 2018

Die Gewalt an Schulen nimmt zu. Verstehe ich nicht. Es gibt doch DEN EINEN GRUND, da kann man was gegen machen. Ich habe ja die Kommentare unter dementsprechenden Artikeln gelesen.

Die Flüchtlingskinder sind schuld. Ob ich das so schreiben kann?

Entschuldigung, der war schlecht kopiert, aber der zweite Satz klebt immer so wie Pattex an den dementsprechenden Kommentaren.

Es sind aber auch die Flüchtlingskinder, die Nazi-Lieder gröhlend durch das Schulgebäude laufen.

Und sie wurden einfach in Kulturen sozialisiert, in denen Gewalt und Intoleranz einfach dazugehören. Beispiel:  der Kabarettist Django Asül. Der ist in Bayern sozialisiert worden.

Die 68er sind schuld. Als die Lehrer noch mit dem Rohrstock hantieren durften, da gab es keine Gewalt an den Schulen. Gut, den Satz sollte man sich zweimal durchlesen. Überhaupt: diese antiautoritäre Erziehung. Ich frage mich: was ist denn antiautoritäre Erziehung? Klar: Es gibt überhaupt keine Grenzen für die Kinder. Ach so, dass nennt man eigentlich Vernachlässigung, nicht antiautoritär.

Die Lehrer sind schuld. Die sind alle ignorant und gleichgültig in Sachen Aggressivität und ordentlichem, zwischenmenschlichen Umgang. Die wollen nur 13 Wochen Ferien plus zusätzliche freie Tage. Und nachmittags frei. Und die gehen eh mit 45 vorzeitig in die Rente. Alle. Und trotzdem sind alle Lehrerkollegien überaltert.

Und schuld sind auch die Lehrer, die gar nicht als Lehrer geboren oder in der Universität geschmiedet wurden, sondern in den Beruf quer einsteigen. Die also vorher in ihrem Gebiet in der Realität gearbeitet haben. Das geht doch überhaupt nicht. 5 Jahre theoretische Ausbildung ohne mit Kindern in Kontakt zu kommen hat noch nie geschadet.

Die Eltern sind schuld. Diese ganzen Helikoptereltern, die die Kinder bis ins Klassenzimmer mit dem Auto bringen und gegen jede Note unter einer zwei mit dem Anwalt drohen. Die haben selbst keinen Respekt vor dem Lehrer, seinem Können, sein Wissen. Wie kann denn ein Schüler da noch die Lehrer ernst nehmen?

Und die anderen Eltern, die ihre Kinder zuhause nur vor Playstation und Fernseher parken. Was sollen die Kinder da lernen? Diese ganzen Ballerspiele sorgen doch dafür, dass unsere Kinder alle nur verrohen. Die Gesellschaft ist sowieso schuld! Pornos und Gewaltvideos schon in er Grundschule und eine Elterngeneration, der es an guter Kinderstube fehlt.

Die Politiker sind schuld, die dafür sorgen, dass an manchen Schulen 90% Kinder mit migrantinischem Hintergrund sitzen. Wodurch man als deutsches, anti-apartheitliches Elternteil dafür sorgen muss, dass das eigene Kind an eine andere Schule gehen kann, wo mehr Deutsche sind.

Und G8 ist schuld! Die Kinder haben weniger Zeit zum Leben. Und die Noten sind schuld! Der permanente Leistungsdruck in unserer Gesellschaft. Ich habe vor kurzem noch einen Artikel gelesen, nachdem sich 10 Schulkinder alleine in Bayern wegen der Halbjahreszeugnis umgebracht haben. Lesen sie mal den Spiegel! Vom 16.2.1976. Okay, G8 gab es da doch noch nicht, aber den Druck schon.

Komischerweise hat mein Vater mir ein paar Geschichten von seiner Schulzeit erzählt. Einschließlich der am Kopf des Lehrers vorbeifliegenden Batterie, die dann die Tafel traf. In einer Zeit, wo man die 68er noch kannte. Höchstens die 1868er. In einer Zeit, in der Ausdruck „die Flüchtlinge“ gerade als Aussage über innerdeutsche Bevölkerungswanderer verschwand. In einer Zeit, in der einige Lehrer noch lernen mussten, dass auch Schüler Menschen sind, wenn sie nicht blond und blauäugig sind und ihre Väter nicht blond und blödhirnig Adolf Hitler hinterhergelaufen sind.

Vielleicht, aber auch nur vielleicht, gibt es auch gar nicht DAS EINE PROBLEM und müsste sich damit beschäftigen, dass an jeder Schule einzelne Individuen, Gruppendynamik (und in beiden Fällen sind da nicht nur die Schüler gemeint, sondern auch die Lehrer, Eltern, Hausmeister, Reinigungskräfte, Sekretariatsmitarbeiter…) und Vorgaben von außerhalb aufeinanderprallen und irgendwas passiert – und man braucht Zeit und Initiative um ein  bisschen darauf einzuwirken, dass etwas Schönes passiert und nicht was Schreckliches.

Die Aussage eignet sich aber nicht für Seite 1 oder Talkshows.

 

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