Mal ein paar Gedanken zum Erbschaftssteuervorschlag der SPD:
- Wir bezahlen Steuern, um alles zu bezahlen, was wir brauchen, um die Zivilisation am laufen zu halten: Infrastruktur, Gesundheitssystem, Schulen, Justiz…
- Die Steueränderung der SPD betrifft nicht Omas Klein Häuschen. Außer das Häuschen ist am Starnberger See, hat eine ordentliche Größe und ein schönes Grundstück mit Direktzugang zum See dabei.
- Tatsächlich würde ein „lebenslanges Freierbe von 1 Million“ nur eine einstellige Prozentzahl von Leuten zurücklassen, die überhaupt Erbschaftssteuern zahlen müssen.
- Das lebenslange Freierbe von 1 Million würde übrigens einige Leute, die nach jetzigem Recht für eine ererbte Immobilie was zahlen müssen, steuerfrei machen.
- Ungefähr 1% der Deutschen lebt laut statistischem Bundesamt hauptsächlich von ererbten – und wenn man dem „das ist doch schon alles mal versteuert worden“ folgt, dann ist das zwar richtig, heißt aber, dass diese Leute alles bei 0. genannte ohne eigenen Beitrag bekommen. Ohne dass sie von irgendeiner Bundesagentur für Arbeit oder einem Bundeskanzler Merz drangsaliert werden, endlich mal arbeiten zu gehen.
- Leute, die viel erben, werden nicht einfach Deutschland verlassen, weil das so viel kostet – weil das so viel kostet. Denn:
a. Tatsächlich hat Leben hier Vorteile. Glaubt ja kein Mensch. Ist aber so.
b. Wenn jemand mit viel Geld ins Ausland geht, muss er ordentlich für das entfliehende Geld bezahlen. Das haben die reichen Deutschlandverlasser übrigens indirekt einem Herr Horten zu verdanken, der das auch mal gemacht hat - Momentan gibt es drei gute Möglichkeiten, keine Erbschaftssteuern zu bezahlen:
a. Du erbst nichts oder wenig.
b. Du erbst eine erfolgreiche Firma, die noch über Jahre erfolgreich bleibt.
c. Du erbst ganz viel und wirst dann spontan mal verschont. Der Fiskus fragt dich ganz freundlich: kannst Du jetzt zahlen? Nein? Ja dann halt nicht. - Bei 7b: bitte nicht unerfolgreich werden. Dann zahlst Du nämlich. Und hast das Geld vielleicht nicht mehr, wenn der Zeitpunkt kommt.
- „Das haben die Vererbenden doch alles mit harter Arbeit verdient“ gegen „Wer so viel Geld hat, hat doch auf jeden Fall beschissen“: nö. Beide Fälle gibt es. Eine prozentuale Verteilung ist noch nie untersucht worden und das dürfte auch schwierig sein. Wobei bei richtig viel Geld auffällt, dass folgende Muster gar nicht so unerfolgreich waren:
a. Vorfahren haben vor Einführung der Demokratie gut damit gelebt, andere Leute zu unterdrücken
b. Vorfahren haben ganz gut mit Nazis zusammengearbeitet.
Ob der neue SPD-Vorschlag zur Erbschaftssteuer das Gelbe vom Ei ist, ist natürlich eine Frage.
Die Kampagne, die von unsoliden Quellen wie BILD, Nius oder CDU/CSU gefahren wird, zeigt aber, dass die SPD nicht ganz falsch liegen kann. Wir haben hier gerade ein Ungleichgewicht, welches im Sinne der Geldgeber von BILD, Nius und CDU/CSU ist. Und weil sie viel Einfluss haben, versuchen sie möglichst viele Wähler davon zu überzeugen, dass diese Wähler auch voll betroffen sein werden. Tauchen ja immer überraschend Erbtanten auf, die mehrere Millionen vererben.