{"id":101,"date":"1993-08-22T20:13:00","date_gmt":"1993-08-22T20:13:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.palandun.de\/?p=101"},"modified":"2020-02-26T20:13:59","modified_gmt":"2020-02-26T20:13:59","slug":"der-letzte-tag-des-schoepfung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.palandun.de\/index.php\/1993\/08\/22\/der-letzte-tag-des-schoepfung\/","title":{"rendered":"Der letzte Tag des Sch\u00f6pfung"},"content":{"rendered":"\n<p> Es war die D\u00e4mmerung der tr\u00fcgerischen Stille. \u00dcber den aufziehenden  Wolken des Zorns thronte noch der Mond. Zeit zur Ruhe. Friedlich. Keine  Toten. Keine Verletzten. Die friedlichsten Stunden, seit dem die  denkenden Wesen die Welt bev\u00f6lkert hatten.<br> <br> Die Sonne ging auf. Der letzte Tag der Sch\u00f6pfung hatte begonnen. Mit dem Morgen der aufkeimenden Wut.<br> <br> Weckrufe eilten durch das Lager des Guten im Westen. Manche \u00f6ffneten  ihre Augen. Nicht wenige jedoch hatten sie gar nicht geschlossen, manche  hatten gar keine Augen.<br> <br> Das Lager war riesig. Viele erinnerten sich an andere gro\u00dfe Schlachten,  als sich bereitmachten. 100000 Tote bei der Belagerung von Gringara,  500000 k\u00e4mpften auf den Ebenen von Goum; doch diese Schlacht sollte  gewaltiger sein als jede, die zuvor stattgefunden hatte. Kilometerweit  standen die Zelte, dich aneinander, gerade genug Platz zum Schlafen,  dennoch konnte man die hintersten Zeltreihen aus der Luft kaum erkennen ,  wenn man sich in vorderster Linie befand.<br> <br> Jetzt sah man nur wenige Dutzend Meter weit; doch der dichte Bodennebel  wich langsam dem Meer der Fahnen, Standarten und Flaggen.. Soldaten  sch\u00e4rften noch einmal ihre Waffen, f\u00fcr die wichtigste Schlacht ihres  Lebens.<br> <br> Nur wenige sprachen von etwas anderem als dem, was ihnen nun bevorstand, wenn sie \u00fcberhaupt sprechen wollten oder konnten.<br> <br> Eine unsichtbare Botschaft, von keinem Ohr aufgenommen; doch f\u00fcr alle greifbar, eilte durch das Lager.<br> K\u00e4mpfet! Gebet nicht auf! Triumphieret! Zeiget die Macht der Guten! Treibet ihn von der Welt! Erweiset dem Guten diesen Dienst!<br> <br> Jeder wu\u00dfte, da\u00df es die letzte Schlacht sein mu\u00dfte, die endg\u00fcltige  Schlacht. W\u00fcrde alles friedvoll werden, eine Welt der Freude, der  Gerechtigkeit, wo es keine Sorgen mehr geben w\u00fcrde; oder eine riesige  Ebene des Elends, der Gewalt, der  Verbrechen, der Zerst\u00f6rung und des  Chaos.<br> <br> Gestandene K\u00e4mpfen waren unter ihnen, und auch welche, die nie ein  Schwert auch nur gesehen hatten &#8211; sogar solche, die mit keiner Waffe  umgehen konnten. Kinder waren unter ihnen, teilweise in dem Alter, in  dem man zu sprechen beginnt, und alte Greise, die kaum noch einen Dolch  zu heben vermochten. Sie w\u00fcrden als Erste sterben. Doch alle w\u00fcrden f\u00fcr  das Gute k\u00e4mpfen.<br> <br> Der Nebel war verschwunden. Die Sonne lie\u00df sich blicken. Tausende von  Feldherren stellten sich vor ihre Truppen, auf einen H\u00fcgel, eine  eicherne Tonne, einen von M\u00e4nnern gehaltenen Schild, vielleicht hielten  sie sich auch mit Hilfe ihrer Fl\u00fcgel in der Luft.<br> <br> Sie begannen zu reden. Von dem Guten. Von Krieg. Von dem B\u00f6sen. Von der  Schlacht. Von dem Triumph. Von der danach folgenden Welt.<br> <br> Einige wollten fliehen. Heraus aus den endlosen Zeltreihen. Heraus aus  den dem Geschwall der Reden, die allen denen \u00e4hnelten, die je vor  Kriegern gehalten wurden, von Verpflichtung, Ehre und Ethos. Heraus aus  dem drohenden Gestank von kommenden Tod.<br> <br> Ihre Kameraden erschlugen sie. verbrannten sie als Freunde des B\u00f6sen, als Spione der Hexerei und Ketzerei. Dabei jubelten sie.<br> <br> Unter denen, die sich an vorderster Linie vortun wollten, war auch Leif  Kryptvason. Er war nicht EIN Paladin, er war der Paladin, der K\u00e4mpfer  des Guten, von v\u00f6lligster Reinheit und Gr\u00f6\u00dfe, beinahe einem Engel  gleichzusetzen an Ausstrahlung und Macht, doch zu den Sterblichen  z\u00e4hlig.<br> <br> Sein Panzer aus gro\u00dfen, aneinandergeschmiedeten Eisenplatten gl\u00e4nzte und  blendete im noch zu sehenden Licht der hei\u00dfen Sonne &#8211; ein Tag, w\u00fcrdig  der letzte zu sein, mit dem gluthei\u00dfen Schein der Sonne, und den  turmhohen, heranziehenden Gewitterwolken.<br> <br> Auch sein Schwert, von dem man nur den Knauf aus der mit edlen Steinen,  Emeralden, Diamanten, Saphiren und  noch einigen anderen wertvollen  Pretiosen verzierten Scheide ragen sah, schien selbst darin versteckt so  zu strahlen wie die Sonne selbst, hei\u00dfer sogar, heller noch als Licht  es sonst vermag, denn der Schein war der des Guten und der  Gerechtigkeit.<br> <br> Sein Wappen war der B\u00e4r &#8211; stark, kr\u00e4ftig, ausdauernd, und doch gutm\u00fctig.  Er zierte seinen silbernen, gl\u00e4nzenden Schild, durch geschickte Hand  hineingearbeitet, mit Gold ausgelegt.<br> <br> Die Haare des Paladins lugten unter dem Helm hervor. Blond waren sie,  eben wie das Licht, und sie pa\u00dften zu dem beinahe bleich zu nennenden  K\u00f6rper des Kriegers. Seine Augen strahlten blau, und in ihnen konnte man  die Gewi\u00dfheit sehen, das Gute w\u00fcrde die Schlacht des Schicksals  gewinnen.<br> <br> Noch hielten sie ihre Reden. Noch gab es keine K\u00e4mpfe. Doch beide Seiten  machten sich bereit. Die Guten unter der Glut der brennenden Sonne,  ihnen allen rannte der Schwei\u00df runter. Die B\u00f6sen unter den Wolken,  inmitten der K\u00e4lte der Herzlosigkeit, doch nur wenige bibberten oder  zitterten in dem Schnee, der dort herunterkam, nur wenige waren noch  anf\u00e4llig gegen das, was einem Menschen Unbehagen verursacht.<br> <br> Die Sonne kletterte dem Zenit zu. Die Wolken begannen sie zu verdecken,  sich dabei etwas aufzuw\u00e4rmen. Bei den Guten wurden die Reihen geordnet,  wurde die Aufstellung zur Schlacht vorgenommen. Auf der anderen Seite  herrschte das Chaos. Alle Wesen wetzten ihre Krallen, wirbelten ihre  Schwerter, zeigten ihre noch so seltsamen Waffen.<br> <br> Der letzte Strahl der Sonne wurde von den grauen Wolken verschluckt. Der  Regen prasselte auf die Welt nieder. Das Schlachtfeld wurde in Matsch  verwandelt. Der Mittag des Blutes begann.<br> <br> Sofort st\u00fcrmten die Wesen des B\u00f6sen los, die Armeen des Guten versuchten  ihnen zu trotzen. Innerhalb von wenigen Minuten verwandelte sich das  einstmalig gr\u00fcne Feld, in denen die Fronten aufeinanderprallten, in eine  Mischung aus Blut &#8211; von welcher Farbe auch immer, meist jedoch rot -,  Schleim, und sonstigen Fl\u00fcssigkeiten mit dem Schlamm. K\u00f6pfe, Arme, Beine  lagen dort herum, wanden sich teilweise noch wie bizarre Pflanzen der  Vernichtung. In deren Mitte glitzerten einstmals von stolzen  Schwertmeistern und widerw\u00e4rtigen D\u00e4monen geschmiedete Waffen.<br> <br> Niemand konnte sich der grausamen Anziehung des Kampfes widersetzen.  Familienv\u00e4ter erschlugen die Kinder des Gegners, M\u00fctter, nur um das Wohl  ihrer Kinder bem\u00fcht, die Schwangeren der Feinde. Kleine Kinder stachen  mit Messern um sich, um kurz darauf von D\u00e4monen zermahlt zu werden. Doch  alle wollten k\u00e4mpfen, alle hatten das Leuchten der \u00dcberzeugung in ihren  Augen, niemand h\u00e4tte sie mehr vom Kampf halten k\u00f6nnen. Mit jedem  Gegner, den sie erschlugen, stieg ihre Kampfkraft, wurden die Blicke  wilder und die Gesichtsz\u00fcge blutr\u00fcnstiger. Die meisten von ihnen starben  schnell: die anderen jedoch griffen an wie Berserker, nicht auf das  eigene Wohl achtend, immer auf der Suche nach einem Gegner, der schon  bald gefunden war.<br> <br> Gefangene wurden nicht gemacht.<br> <br> Nur wenige Minuten vergingen noch, bis alles so aussah, das Feld, das  Land, die Welt. Nichts gab es mehr, was kein Schlachtfeld war. Die Zelte  waren niedergetrampelt, im Schlamm versunken. Viele Stellen waren von  den Beschw\u00f6rungen der Magier, gut oder b\u00f6se, angesengt, vereist,  verkohlt, durchw\u00fchlt. Die Welt war ein einziges Schlachthaus, in dem  jeder einzelne Metzger und Schlachtvieh zugleich darstellte.<br> <br> Schon bald konnte man kein Wesen mehr erkennen. Alle, ohne jede  Ausnahme, waren mit dem Schlamm bedeckt, selbst die fliegenden Wesen in  der Luft, und das Wasser des immer heftiger werdenden Regen konnte  diesen nicht herunterwaschen. Man konnte nur wenig unterscheiden  zwischen D\u00e4mon und Mensch, zwischen Elf und Ork, zwischen Magier und  Barbar. Niemand k\u00fcmmerte sich mehr darum. Es ging nur noch um das  \u00dcberleben. Man hieb auf alles ein, das sich bewegte, was sich zu bewegen  schien, selbst auf Freunde. Kein Einziger bat um Gnade, kein Einziger  gab ein Wort des Erkennens von sich. Kein Einziger h\u00e4tte in der  Ansammlung von Zorneslauten, von Gewitterregen und Kampfesl\u00e4rm etwas  verstanden.<br> <br> Der Kampf war schrecklich. Eine Ansammlung aller Grausamkeiten, die je  zuvor auf der Welt geschehen waren. Pl\u00f6tzlich herrenlos gewordene K\u00f6pfe  tanzten in der Luft, Font\u00e4nen aus Blut wirkten wie ein Kunstwerk reiner  Brutalit\u00e4t. Der Blutrausch ergriff alles und jeden. Selbst ein kleines  Bl\u00fcmchen, h\u00e4tte es durch eine F\u00fcgung des Schicksals den trampelnden  Stiefeln widerstanden, h\u00e4tte sich in ein attackierendes Monstrum  verwandelt, da\u00df die Beine der K\u00e4mpfenden umgriffen und sie zu Boden  gezerrt h\u00e4tte. Und inmitten der Schreie waren nicht wenige, die um Hilfe  baten, flehten, als der Lautgeber in den tiefen Schlamm einsank, bis  zur Schulter und noch weiter, tiefer, als w\u00e4re der Schlick und Moder  genauso lebendig wie all diejenigen, die darauf k\u00e4mpften, und dazu noch  so hungrig wie ein Wal, der einfach das Maul \u00f6ffnete und seine Nahrung  in sich hineinstr\u00f6men lie\u00df.<br> <br> L\u00e4ngst schon bedeckten die Toten die Ebene, teilweise in drei Reihen  \u00fcbereinander liegend, oft vollkommen vom Schlamm verdeckt, das nur  wenige K\u00f6rperteile, vielleicht gar vom Rest abgehackt, auf der  Oberfl\u00e4che zu finden waren; doch keiner achtete darauf, denn jede  Unachtsamkeit f\u00fchrte unweigerlich zum Tod. Viele allerdings stolperten  \u00fcber die Gefallenen und fanden so den Tod, wehrlos erschlagen von Freund  und Feind, oder schon get\u00f6tet durch den Fall in ein herumliegendes  Schwert.<br> <br> Leif Kryptvason stand noch aufrecht, Schwert und Schild tapfer und fest  in seinen H\u00e4nden. Niemand hatte ihn f\u00e4llen k\u00f6nnen, nur wenige Kratzer  konnten ihm seine Gegner beibringen. Vor ihm waren diejenigen, die das  Gute im Kern haben, sicher; er schaute auf das, was tief unter dem  Schlamm, auch unter der Haut versteckt war; das reine Gute, und jeder  erkannte ihn als der K\u00e4mpfer des Guten, der er nun einmal war.<br> <br> H\u00e4rter hatte er gek\u00e4mpft als alle anderen, mehr hatte er get\u00f6tet. Seine  Waffe, sein Schild, seine R\u00fcstung waren schlammbedeckt, mit viel Blut  und Galle bespritzt, und doch schien unter dieser ganzen Schicht ein  Leuchten herzukommen, das Strahlen und Gl\u00e4nzen des Guten inmitten dieser  schrecklichen Taten.<br> <br> Von Anbeginn hatte er ihn gesucht, von Anbeginn strebte er nur einem  einzigen Gegner zu, dem einzigen, der ihm trotzen konnte, der einzige,  der ihn besiegen k\u00f6nnte; doch es war f\u00fcr ihn au\u00dfer Frage, zu siegen,  hatte er doch das Gute auf seiner Seite.<br> <br> Wenige noch standen von den riesigen Armeen, es war dennoch eine  gewaltigere Schlacht, als je zuvor. Da sah er ihn: zweimal, vielleicht  sogar dreimal so gro\u00df wie er, mit finsteren Blick, von abscheulichen  Aussehen, und er schien das Licht ebenso einzusaugen wie der Paladin es  ausstrahlte: der Herr des B\u00f6sen, der niedertr\u00e4chtigste D\u00e4mon von allen ,  das h\u00e4\u00dflichste Wesen auf der Welt. Und dieser sah ihn.<br> <br> Die Schlacht war nicht mehr interessant. Der Kampfesl\u00e4rm verbla\u00dfte. Das  Feld schien leer zu sein. Nichts mehr nahmen die beiden noch wahr. Nur  sich selbst. Sie, der reine Gute, das absolute B\u00f6se, standen sich  gegen\u00fcber. Die Waffe ruhig in der Hand, die Klauen und F\u00e4nge seines  Gegners bewegungslos doch drohend rastend. Keiner konnte aus der  Entfernung den anderen mit diesen Waffen treffen.<br> <br> Der Herr des B\u00f6sen und der K\u00e4mpfer des Guten starrten sich an. Feste,  blaue Augen schossen f\u00f6rmlich Blitze ab auf die roten Augen, aus denen  das hei\u00dfe Feuer sprang. Keiner von ihnen mochte seinen Blick l\u00f6sen;  keiner konnte den anderen dazu zwingen.<br> <br> Der Abend des endg\u00fcltigen Schicksals hatte begonnen.<br> <br> Noch immer standen die beiden unbeweglich. Dann aber sog der D\u00e4mon die  Luft ein um sich herum, da\u00df er sogar den Schlamm vom Boden sich l\u00f6sen  lie\u00df und ein wenig davon mit in sich einnahm. Dann, als er sich seine  sonst so hagere, schleimbedeckte Form doch betr\u00e4chtlich gedehnt hatte,  gab er die Luft als hei\u00dfes Feuer wieder um sich, da\u00df den Schlamm auf den  Boden hart werden lie\u00df und noch weit entfernt von ihnen K\u00e4mpfende  sofort in Asche verwandelte. Doch blitzschnell hob der Paladin den  Schild vor sich, von dem Feuer abprallte, auf den D\u00e4monen zur\u00fcck, dem  dies nichts anzuhaben schien, und dabei gl\u00fchte das Wappen auf, f\u00fcr alle  blendend, selbst f\u00fcr den Paladin, dann auch der Schild. Das Feuer schien  immer hei\u00dfer zu werden, und Brandblasen bildeten sich an der Hand, die  den Schild hielt, doch ansonsten vermochte dem Paladin das Feuer nichts  anhaben, als st\u00fcnde eine Wand zwischen ihm und dem Herrn des B\u00f6sen, die  ihm vor dem Feuer vewahrte.<br> <br> Hei\u00dfer, immer hei\u00dfer wurden die Flammen, und der Schild ebenso. Zu  gl\u00fchen begann er, doch noch immer hielt der wackere Leif den Schutz,  beinahe br\u00fcllend ob des irrsinnigen Schmerzes in seiner Linken.  Meteoritenstahl tropfte auf seine Hand herab, brannte sich ein in die  Haut, doch nichts konnte ihn weichen lassen. Der Schild begann sich zu  verformen, in sich einzulaufen. Lange Streifen flossen einfach hinunter  auf der Hand, diese verbrennend, als w\u00fcrde sie in das Feuer einer  Schmiede geworfen werden, doch immer noch nicht brach der Schutz, immer  noch nicht gab der Paladin auf. Dann endlich stoppte das Feuer, der  D\u00e4mon hatte sich verausgabt; der Paladin jedoch lie\u00df die nutzlosen Reste  des Schildes fallen, die, vermischt mit dem, was fr\u00fcher einmal die  linke Hand der Gerechtigkeit und der Moral gewesen war, wo jetzt kein  Finger mehr zu erkennen war.<br> <br> Als w\u00e4re er kein Mensch, schien Leif Kryptvason gar nicht zu merken, was  ihm das D\u00e4monenfeuer f\u00fcr Schmerz und Verlust gebracht hatte, sofort  hieb er mit dem gewaltigen Schwert in seiner Rechten zu. Eine klaffende  Wunde, rasch von gr\u00fcnem Blut bedeckt, \u00f6ffnete sich auf der  schleimbedeckten, ekelerregenden Haut des Unwesens, das so schnell nach  dem gewaltigen Feuer nicht hatte reagieren k\u00f6nnen.<br> <br> Gequ\u00e4lt heulte der F\u00fcrst der Grausamkeit auf, versuchte, die zweite  Attacke des glei\u00dfenden Schwertes aufzuhalten, doch die mit  \u00fcbermenschlicher Magie gef\u00fcllte Klinge schnitt durch den steinharten  Knochen des d\u00e4monischen Armes, und die mit langen, scharfen Krallen  besetzte Hand wand sich auf dem Boden.<br> <br> Immer wieder drang der Paladin auf den Gegner ein, nie nachlassend in  seinem Zorn auf das B\u00f6se, nicht bemerkend, wie die Krallen sich in sein  weiches, menschliches Fleisch senkten, die Krallen beider H\u00e4nde, selbst  diese, die sich auf dem Boden wand, auf ihn zuglitt, wie sie durch seine  m\u00e4chtige R\u00fcstung schnitten, als w\u00e4re sie Butter, durch seine Haut, als  sei sie Pergament.<br> <br> Beide hatten nur noch ein Ziel: den Tod, das Verl\u00f6schen des Gegners.  Keiner h\u00e4tte bemerkt, wenn ihnen noch jemand n\u00e4her gekommen w\u00e4re. Keiner  versuchte, Magie zu nutzen, wenngleich sie beide dessen m\u00e4chtig waren,  so sehr waren sie versessen vom Hauen und Stechen, Hacken und Schlagen,  Zertr\u00fcmmern und Verst\u00fcmmeln.<br> <br> Als der D\u00e4mon endlich zu Boden fiel, inmitten seines gr\u00fcnen Blutes, das  diesen bedeckte, da triumphierte der Paladin, er erhob sein blutiges  Schwert und zerhackte den B\u00f6sen, er geno\u00df ein schreckliches Blutbad, wie  ein verr\u00fcckter Metzger zerlegte er seinen Gegner, bis von diesem nur  noch kleine St\u00fccke \u00fcbrig waren. Dabei rief er die G\u00f6tter des Guten an,  verk\u00fcndete den Sieg der Gerechtigkeit, seinen Sieg. Dazwischen entfuhren  ihm Laute, die man nicht mehr als menschlich bezeichnen konnte, mehr  als die eines wilden Tieres.<br> <br> Dann erhob er sein Schwert hoch in die von Tod, Blutlust und Grausamkeit  geschw\u00e4ngerte Abendlust, auch den Stumpf seiner linken Hand. Schmerzen  sp\u00fcrte er im Augenblick des Triumphes nicht mehr.<br> <br> Ein ungeheures Gl\u00fccksgef\u00fchl, Emotionen von Macht und Vernichtung  durchfluteten ihn, er f\u00fchlte sich beinahe gleich mit den G\u00f6ttern, mit  dem immerw\u00e4hrenden Prinzip von Moral, Ethik, Gerechtigkeit, mit der  Essenz des Guten.<br> <br> \u201eIch habe ihn erschlagen!\u201c schrie er hinaus an alle, die es h\u00f6ren  konnten, h\u00f6ren sollten, an wenige, die es wohl h\u00f6ren w\u00fcrden. \u201eIch habe  den Sieg gebracht! Das Gute hat gesiegt! Das B\u00f6se ist vernichtet! Der  Sieg! Der Sieg!\u201c<br> <br> Tr\u00e4nen str\u00f6mten \u00fcber sein Gesicht, nie zuvor hatte er das geschehen  lassen, doch jetzt, in seiner Freude, stoppte er diese nicht. Sein Leben  war erfolgreich gewesen, sein Ziel war erreicht. Er bestand nur noch au  s Macht und Freunde.<br> <br> Doch niemand stimmte in seinen Jubel ein. Niemand verehrte den Helden.  Nur eine einzelne Stimme hinter ihm erklang, eben so kalt und gef\u00fchllos  wie resignierend.<br> <br> \u201eDu irrst. Der Sieger bin ich.\u201c<br> <br> Der Paladin drehte sich, den Schwung nutzend f\u00fcr einen gewaltigen  Streich seines Schwertes. Dieses schnitt durch die Brust des Gegners,  ohne jeden Widerstand, so m\u00e4chtig war der Schlag.<br> <br> Doch der Gegner stand. Er fiel nicht. Er verlor kein Blut, weder rotes,  schwarzes, gr\u00fcnes, noch andersartiges breitete sich \u00fcber seinen weiten,  schwarzen Mantel aus. Er stand einfach nur still, in seiner Linken die  gewaltige Sense fest umgreifend, hinter sich die weite, nur mit Toten  bedeckte Ebene.<br> <br> Der Paladin folgte ihm ohne weitere Wehr.<br> <br> Es gab nur noch die Nacht der Ewigkeit.                                 <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war die D\u00e4mmerung der tr\u00fcgerischen Stille. \u00dcber den aufziehenden Wolken des Zorns thronte noch der Mond. Zeit zur Ruhe. Friedlich. Keine Toten. Keine Verletzten. Die friedlichsten Stunden, seit dem die denkenden Wesen die Welt bev\u00f6lkert hatten. Die Sonne ging auf. Der letzte Tag der Sch\u00f6pfung hatte begonnen. Mit dem Morgen der aufkeimenden Wut. 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