{"id":201,"date":"2005-12-16T21:03:00","date_gmt":"2005-12-16T21:03:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.palandun.de\/?p=201"},"modified":"2020-02-26T21:03:37","modified_gmt":"2020-02-26T21:03:37","slug":"begegnung-in-der-innenstadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.palandun.de\/index.php\/2005\/12\/16\/begegnung-in-der-innenstadt\/","title":{"rendered":"Begegnung in der Innenstadt"},"content":{"rendered":"\n<p>\nIch wollte gerade in meinen Porsche steigen &#8211; beladen mit Geschenken -, \nals zwei Typen in Leder auf mich zukamen. Beides war kein Zufall: die \nGeschenke nicht, denn es war der noch gar nicht heilige sondern \nhektische Morgen vor dem Heiligabend; und die beiden Rocker nicht, denn \ndiese Kerle trieben sich h\u00e4ufig in dem kleinen Einkaufszentrum herum und\n bel\u00e4stigten alle, die dort einkaufen wollten. Ihnen war gleich, wenn \nsie maltr\u00e4tierten: die alte Oma, der sie die Geldb\u00f6rse wegnahmen, oder \ndem kleinen Kind, dessen Lolli sie klauten, um ihn danach einfach \nwegzuwerfen. Aber dass sie noch nicht einmal den heiligsten aller Tage \nehrten&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Beide waren gro\u00df und breit gebaut, zwei Halbstarke, \nh\u00f6chstens 20 Jahre alt, aber genug Verunstaltungen am K\u00f6rper f\u00fcr ein \nganzes Leben. Der eine hatte sich die linke Gesichtsh\u00e4lfte mit einem \nTattoo geschm\u00fcckt &#8211; wobei geschm\u00fcckt sicherlich der falsche Ausdruck war\n f\u00fcr einen lachenden Totensch\u00e4del -, der andere trug viele Ringe in den \nOhren, der Nase und den Lippen. Er sah ungef\u00e4hr so aus, als w\u00e4re in \neinen Stacheldrahtzaun gefallen und h\u00e4tte sich danach nicht mehr die \nM\u00fche gemacht, das Metall zu entfernen. Der mit dem Totensch\u00e4del hatte \ndazu noch einen wilden Schn\u00e4uzer, der wie eine seit Jahren nicht gem\u00e4hte\n Wiese aussah. W\u00e4re sie gr\u00fcn gewesen, h\u00e4tte man sich wenigstens noch \ndaran erfreuen k\u00f6nnen, aber beider Haare waren so schwarz wie die Nacht &#8211;\n und ihre Klamotten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich muss eingestehen, dass ich auch nicht so\n gew\u00f6hnlich aussah. Ich trug n\u00e4mlich meine Berufskleidung. Den roten \nMantel mit dem wei\u00dfen Besatz hatte ich an, dicke, schwarze Stiefel &#8211; in \ndem Punkt waren wir uns \u00e4hnlich -, und nat\u00fcrlich trug ich die rote M\u00fctze\n mit dem Bommel dran. Vervollst\u00e4ndigt wurde das Bild durch meinen \nlangen, wei\u00dfen Bart und meine in den Jahren wei\u00df gewordenen Haare. Ach \nso, unter dem Arm trug ich nat\u00fcrlich noch die Rute.<\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden \nhatten die Lage gut gecheckt. Hier, im hinteren Teil des Parkhauses, war\n momentan kein anderer zu sehen. Die meisten suchten hektisch einen \nParkplatz in der N\u00e4he der Gesch\u00e4fte und kurvten lieber 15 Minuten um den\n Eingang herum anstatt hier parkend mal 3 Minuten zu laufen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Hey,\n Alter, r\u00fcck mal sch\u00f6n raus.&#8220; Das war der Totensch\u00e4del. &#8222;Ja, aber \ndalli.&#8220; Der andere. Ich versuchte zun\u00e4chst einmal Zeit zu gewinnen. &#8222;Was\n soll ich denn rausr\u00fccken?&#8220; W\u00e4hrenddessen legte ich die Pakete \nvorsichtig auf das Wagendach. Der Totensch\u00e4del-Mann lachte: &#8222;Hey Opa, \nden Trick kenne ich. Geschenke, Geldb\u00f6rse, Autoschl\u00fcssel. Ich z\u00e4hle bis \ndrei&#8230;\u201e &#8222;Sei kein ungezogener Lausebengel. Du willst doch nicht den \nWeihnachtsmann berauben, und das noch an Heiligabend.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt \ngrinsten beide. Die Sache schien ihnen Spa\u00df zu machen. Widerstand gefiel\n ihnen, denn bei Widerstand gab es meistens Fressen zu polieren. Dennoch\n hatte ich noch Schonfrist &#8211; vielleicht aufgrund meines Alters: &#8222;Der \nWeihnachtsmann? He, du passt einfach nicht in diese Zeit, Opa! Der \nWeihnachtsmann ist out. F\u00fcr unsere Geschenke und die Bescherung sorgen \nwir selbst.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Geschenke? Die bekommt ihr gewiss nicht. Ihr verdient nur die Rute. K\u00f6nnt ihr \u00fcberhaupt ein Gedicht aufsagen?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Na\n Alter, dann wollen wir mal.&#8220; Der Totensch\u00e4del trat noch einen Schritt \nauf mich zu. &#8222;Eins.&#8220; Er nahm seinen Schlagring fest in die Faust. \n&#8222;Zwei.&#8220; Er holte aus. &#8222;Dr&#8230;&#8220; Weiter kam er nicht. Die Rute traf ihn mit\n der Stockseite direkt auf den Solar Plexus. W\u00e4hrend sein Kopf beinahe \nmechanisch nach unten ging &#8211; vielleicht um zu sehen, was passiert war &#8211; \nlandete die Rute auf seiner Nase. Krachend gab das Nasenbein nach. Mit \neinem gezielten Tritt in die Weichteile bef\u00f6rderte ich ihn zur Seite. \nWimmernd sa\u00df er auf dem Boden. Sein kleines Gehirn brauchte einige \nMomente um herauszufinden, wo der Schmerz am gr\u00f6\u00dften war. Dann fing er \nan zu schreien.<\/p>\n\n\n\n<p>Der andere sah mit Erstaunen, was seinem \nKameraden passiert war, und wollte mit dem Messer auf mich los. Ich \nwirbelte einmal &#8211; gest\u00fctzt auf die Rute &#8211; um die eigene Achse und \nerwischte ihn mit einem Fu\u00df an der Schl\u00e4fe. Er flog 4 Meter durch die \nLuft, prallte gegen einen Pfeiler und rutschte f\u00f6rmlich an der S\u00e4ule \nherab. Dann wurde er kurzzeitig ohnm\u00e4chtig.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich lie\u00df mir Zeit, \nverstaute meine Geschenke, s\u00e4uberte noch mal die Vorderlichter meines \nPorsches und \u00f6ffnete dann die Fahrert\u00fcr. Dann beobachtete ich die \nbeiden. Ich wartete, bis der eine aufgeh\u00f6rt hatte zu schreien, und der \nanderer wieder etwas zu sich gekommen war. Bel\u00e4mmert und benebelt \nschauten mich die beiden an. Sie waren zu schwach, um sich zu erheben. \nAus der Nase des ersten tropfte Blut, der zweite schielte.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Glaubt\n ihr wirklich, der Weihnachtsmann ist nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df?&#8220; fragte ich \nsie. &#8222;Oder er w\u00fcrde nicht mehr mit der Zeit gehen? Lernt mal draus, \nJungs, ich muss jetzt zu meinen Rentieren.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Tja, liebe Leser, ich\n bin wirklich der Weihnachtsmann. Dank 1500 Jahren Zinserl\u00f6se und \nneuerdings Immobilienfonds kann ich mir sogar einen Porsche leisten. Und\n weil ich nur einmal im Jahr Arbeit, habe ich auch viel Zeit f\u00fcr \nSelbstverteidigungskurse..<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Frage wird mir aber immer wieder \ngestellt: Warum ich zum Ausliefern noch meinen Rentierschlitten nehme? \nNun ja: Prestige. Nostalgie. Gewohnheit. Und glauben Sie wirklich, man \nkann mit einem Porsche in einer Nacht eine Milliarde Kinder auf der \nganzen Welt besuchen? Bei den heutigen Benzinpreisen?\n\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich wollte gerade in meinen Porsche steigen &#8211; beladen mit Geschenken -, als zwei Typen in Leder auf mich zukamen. 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