{"id":210,"date":"2008-02-26T21:08:00","date_gmt":"2008-02-26T21:08:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.palandun.de\/?p=210"},"modified":"2020-02-26T21:13:14","modified_gmt":"2020-02-26T21:13:14","slug":"geschichte-aus-klischee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.palandun.de\/index.php\/2008\/02\/26\/geschichte-aus-klischee\/","title":{"rendered":"Geschichte aus Klischee"},"content":{"rendered":"\n<p>\nOh diese schreckliche Hitze! Nur einen Moment ausruhen, dann weiter. War\n da nicht eben ein Ger\u00e4usch? Aber es gab immer Ger\u00e4usche. Und es gab \nimmer Hitze. Denn das ist im Prinzip wichtig f\u00fcr die H\u00f6lle: es ist hei\u00df,\n und es ist laut. Man kann sich nicht ausruhen.<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00f6lleninspektor \nBungsdulugurubung seufzte. H\u00e4tte er nicht aufgepasst, w\u00e4re er p\u00fcnktlich \ngekommen.[1] Es war wieder der Zeitpunkt der gro\u00dfen Inspektion. \nNeuank\u00f6mmlinge mit besonderen Talenten wurden untersucht, ob sie f\u00fcr den\n mittleren, den getieften oder den ganz tiefen Dienst in Frage kamen. \nSie mussten zwar die Grundqualausbildung \u00fcber sich ergehen lassen[2] \n[3], wurden nach dieser allerdings im Gegensatz zu den anderen nicht \ngequ\u00e4lt sondern durften qu\u00e4len.<\/p>\n\n\n\n<p>Bungsdulugurubung fragte sich, ob\n das gerecht sei. Es w\u00e4re n\u00e4mlich sehr schlecht f\u00fcr die H\u00f6lle, wenn es \ngerecht w\u00e4re. Die Bewohner der H\u00f6lle haben etwas gegen Gerechtigkeit. Er\n war aber auf noch keinen roten Zweig bei seinen \u00dcberlegungen gekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit\n den \u00dcberlegungen hatte er es geschafft: er war unp\u00fcnktlich. Sodann \nmachte er sich voll Ungeduld weiter auf den Weg: sein Job erf\u00fcllte ihn \nmit Hass, und das war alles, wovon ein einfacher H\u00f6llenteufel tr\u00e4umen \nkonnte.[4]<\/p>\n\n\n\n<p>Qisiwangtangtulugumbarum beschimpfte ihn geb\u00fchrlich und leberlich.[5] Auch er war voller Ungeduld.[6]<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDann wollen wir uns mal einen schrecklichen eiswarmen Abend machen. Was ist mit denen beiden hier?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er\n deutete auf ein Menschenpaar. Der Mann (Mitte Vierzig, beginnende \nGlatze) war mit dem Kopf vor einem Buch festgemacht, die Augen wurden \nmit Streichh\u00f6lzern offen gehalten. Das au\u00dfergew\u00f6hnliche dicke Buch \nbl\u00e4tterte sich selbst nach kurzer Zeit weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frau war vor einem Fernseher. Ihre Augen waren vor Entsetzen weit ausgerissen.[7]<\/p>\n\n\n\n<p>Beide waren nackt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie sind sehr wild entschlafen. Aufeinander eingegangen. Koitus sehr interruptus, w\u00fcrde ich sagen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas ist ja &#8230; Steckte da Liebe hinter?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eQuatsch.\n Er hat sie bezahlt. Au\u00dferdem musste sie ihm Tiernamen geben und er hat \nsich als Anwalt verkleidet. Au\u00dferdem war sie Jungfrau, bevor er sie mit \nGewalt nahm. Danach wurde sie ihm h\u00f6rig.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eTeuflisch. Was habt ihr schon mit ihm gemacht?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas\n \u00fcbliche in diesem Fall. Erst mal die kleine Guillotine. Und weil er \nsich als Anwalt ausgab, muss er s\u00e4mtliche Gesetze der Bundesrepublik \nDeutschland auswendig lernen. Das Buch bl\u00e4ttert aber immer weiter, bevor\n er die letzten Zeilen der Seite lesen kann.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd die Frau?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie\n ist aus Versehen in dieser Abteilung gelandet. Aber du wei\u00dft ja, wie \ndas mit der B\u00fcrokratie ist. In weniger als 1000 Grolls kriegst Du das \nnicht geregelt. Ich lasse sie Lindenstrasse in einer Endlosschleife \ngucken, dass ist sehr beruhigend. F\u00fcr mich.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der n\u00e4chste Mann wurde untersucht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer Mann sieht interessant aus. Was hat er gemacht?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGro\u00dfer\n Liebeskummer. Ist dann zu der Angebeteten gegangen und hat sein inneres\n nach au\u00dfen gekehrt. War ne ganz sch\u00f6ne Schweinerei, kann ich dir sagen.\n Guck dir aber lieber die da an.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er deutete (mit 1 Klaue) auf \nzwei M\u00e4nner. Einer trug einen karrierten Rock, der andere \u2013 ein \nBuchhaltertyp &#8211;&nbsp; versuchte immer wieder, ihn anzuspringen. Dar\u00fcber war \nder andere ungehalten. Er konnte sich anscheinend aber nicht bewegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Qisiwangtangtulugumbarum\n wiggelte[8] und erkl\u00e4rte, dass es sich wirklich um einen schwerh\u00f6rigen \nBuchhalter handelte. \u201eEr glaubt, dass er hieraus kommt, wenn er das \nschafft, was er ihm Leben nicht geschafft hat. Jetzt versucht er \u00fcber \nseinen Schotten zu springen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Bungsdulugurubung war mittlerweile entt\u00e4uscht. Es schien keinen zu geben, der sich wirklich f\u00fcr den H\u00f6llendienst eignete.<\/p>\n\n\n\n<p>Mittlerweile\n standen[9] sie an einem Laufband. Dort lief jemand. Er musste schon \nl\u00e4nger laufen, sein Bart reichte beinahe so weit herunter, dass er mit \nden F\u00fc\u00dfen dr\u00fcber h\u00e4tte stolpern k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHier ist aber eins \nunsere Schmuckst\u00fccke. Wollte gerade bei den Olympischen Spielen starten.\n Hat s\u00e4mtliche Dopingproben ohne Probleme hinter sich gebracht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa, diese Profi-Doper. Tolle Leute.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHat\n sich aber gelohnt. Urspr\u00fcnglich war der so langsam, dem konnte man im \nLaufen die Schuhe besohlen. Mit Doping kam er in die Weltspitze. War \nsauschnell. Dummerweise wirkte durch das Verschleierungsmittel die \nSchweinepest auch bei ihm. Ich hasse Mediziner weniger als andere \nMenschen.\u201c[10]<\/p>\n\n\n\n<p>Der Sportler guckte sich verwirrt und panisch um. \nDann sprang er runter und nahm die F\u00fc\u00dfe in die Hand. Er flog \nfolgerichtig auf die Schnauze.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMan kann nichts gegen b\u00f6sartige Metaphern machen\u201c wiggelte Bungsdulugurubung.<\/p>\n\n\n\n<p>Der\n Sportler rappelte sich wieder auf und gab F\u00e4rsen Geld. Die H\u00f6llentiere \nhatten davon allerdings nicht. W\u00e4hrend Qisiwangtangtulugumbarum und \nBungsdulugurubung sich anguckten (mit ungef\u00e4hr der H\u00e4lfte ihrer \ninsgesamt 14 Augen) nahm der Sprinter jetzt die Waden an die Hand und \nverschwand.<\/p>\n\n\n\n<p>Beide wussten: Das w\u00fcrde \u00c4rger geben, wenn er in die \nfalschen H\u00e4nde geriet. Es gab in der H\u00f6lle schlimmeres als die Teufel \u2013 \nimmerhin konnte man seine Seele zum zweiten Mal verlieren, und dann f\u00fcr \nimmer.[11] Allerdings war fraglich, wie sie ihn wieder fangen konnten \u2013 \ner war immerhin recht schnell. Sie standen quasi wie der Ochs vor dem \nZwerge.[12] Doch Bungsdulugurubung war nicht umsonst einer der \nerfahrensten H\u00f6lleninspektoren. Er hatte in solchen vielen immer viel \nSchwein. Er entnahm dieser Floskel selbiges und schnitt es auf. In den \nEingeweiden las er den baldigen Aufenthaltsort des Sportlers.[13] [14] \nDort konnte er sp\u00e4ter von der H\u00f6llen-Nicht-Polizei aufgefasst und nach \ngeb\u00fchrender Folter durch den Unterteufel 3. Grades Guan Tanamo in ein \nh\u00f6llisches Dopinglabor gesteckt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dort musste er jedoch \nnach kurzer Zeit freigelassen werden, nachdem man entdeckte, dass er zum\n Hinduismus \u00fcbergetreten war und dementsprechend Anspruch auf eine \nWiedergeburt hatte. Er wurde \u00fcbrigens als ICE-Sprinter wiedergeboren.<\/p>\n\n\n\n<p>So,\n und wer jetzt noch ein sinnvolles Ende der Geschichte erwartet, den \nmuss ich leider entt\u00e4uschen: bei h\u00f6llischen Geschichten darf es kein \nEnde geben, sonst w\u00e4ren die Leser ja zufrieden.<\/p>\n\n\n\n<p>Disclaimer: In dieser Geschichte kamen keine Floskeln zu Schaden.<\/p>\n\n\n\n<p>Fu\u00dfnoten:<br>[1]\n Das h\u00e4tte zu einem f\u00fcnfgr\u00f6lligen Benimmkurs \u201eH\u00f6lle f\u00fcr Anf\u00e4nger\u201c f\u00fcr \nihn gef\u00fchrt. Ein Groll ist die Zeiteinheit, in der ein siebenhintiger \nH\u00f6llenbewohner namens Suftihorn 1000 F\u00fcrze von sich gibt. 5 Grolls \nscheint nicht so viel zu sein \u2013 ist es aber, wenn man diese mit einem \nSuftihorn vorbringt.<\/p>\n\n\n\n<p>[2] wie jede Seele, die in die H\u00f6lle kam. \nDas ist in der H\u00f6lle normal. Sonst w\u00e4re das ganze Marketing mit den \ngequ\u00e4lten Seelen im Eimer.<\/p>\n\n\n\n<p>[3] Ganz stimmt das \u00fcbrigens nicht. \nPolitiker werden immer direkt in den getieften Dienst \u00fcbernommen. Ihre \nTauglichkeit gilt als bewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>[4] Eigentlich nicht. Teufel k\u00f6nnen nicht tr\u00e4umen. Genauso wenig k\u00f6nnen sie schlafen.<\/p>\n\n\n\n<p>[5]\n Teufel haben kein Herz. Die meisten haben aber drei bis f\u00fcnf Lebern. \nUnd grunds\u00e4tzlich eine geteerte Raucherlunge. In der H\u00f6lle raucht alles.<\/p>\n\n\n\n<p>[6] Geduld ist eine Tugend und deswegen in der H\u00f6lle gar nicht beliebt.<\/p>\n\n\n\n<p>[7]\n Es war wirklich Entsetzen. Sie hatte zwar einen kleinen Hocker, aber \nsie war aufgesprungen. Da kann man von Entsetzen sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>[8] \nWiggeln ist die h\u00f6llische Alternative zu grinsen. Grinsen selbst ist \nverp\u00f6nt (und die meisten H\u00f6llenwesen sind dazu gar nicht f\u00e4hig). Wer \nsich interessiert, wie man nicht lacht oder grinst, sollte nach \nWestfalen fahren. Allerdings sollte man nicht mit einem Westfalen in \ndessen Keller gehen. Dort lachen die dann doch, und der ganze Eindruck \nist verschwunden.<\/p>\n\n\n\n<p>[9] Dem Autor fiel hier nix anderes ein. Ein \nWesen, dass statt 2 Beinen 4 Tentakel und einen gallertenartigen K\u00f6rper \nbesitzt, mit dem es auf dem Boden andocken kann, steht bestimmt nicht. \nZumal so ein Teufel durchaus auch Schweben kann. W\u00e4ren die beiden \nMenschen gewesen, h\u00e4tten Sie allerdings gestanden. Dann w\u00e4re ihnen aber \nziemlich hei\u00df gewesen. H\u00f6llenteufel k\u00f6nnen Hitze besser ab als Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>[10]\n In der H\u00f6lle gelten h\u00f6fliche Ausdr\u00fccke wie \u201eIch mag\u201c oder \u201eIch liebe\u201c \nals nicht schicklich. Wer sich daf\u00fcr interessiert, wie man diese \nAusdr\u00fccke vermeiden kann, muss nur einmal nach Westfalen fahren.<\/p>\n\n\n\n<p>[11]\n Im Prinzip ist das nicht so schlimm \u2013 in der H\u00f6lle wird man eh nur \ngequ\u00e4lt. F\u00fcr Teufel ist das allerdings etwas Schlimmes: die ganzen \nStatistiken sind im Eimer, und die H\u00f6lle hat ein ganz ausgekl\u00fcgeltes \nControlling-System.<\/p>\n\n\n\n<p>[12] Hier muss man sich einen harmlosen Ochsen und einen sehr blutr\u00fcnstigen Zwergen vorstellen, sonst macht es keinen Spa\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>[13]\n Genau, hier hat der Autor mal eine verballhornte Floskel gespart. \nWelche k\u00f6nnte es sein? (Die Aufl\u00f6sung hier in Spiegelschrift:&nbsp; tiehrhaW \neid tgeil niewhcS mI)<\/p>\n\n\n\n<p>[14] Nebenbei auch eine Art Inneres nach au\u00dfen kehren.\n\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oh diese schreckliche Hitze! Nur einen Moment ausruhen, dann weiter. War da nicht eben ein Ger\u00e4usch? 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