{"id":220,"date":"2005-02-26T21:11:00","date_gmt":"2005-02-26T21:11:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.palandun.de\/?p=220"},"modified":"2020-02-26T21:12:29","modified_gmt":"2020-02-26T21:12:29","slug":"merkwuerdig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.palandun.de\/index.php\/2005\/02\/26\/merkwuerdig\/","title":{"rendered":"Merkw\u00fcrdig"},"content":{"rendered":"\n<p>\nAls die Band mit einem langsamen Titel von Elvis begann, atmete ich tief\n durch und dr\u00e4ngelte mich in die erste Reihe. Es war eine sternenklare \nNacht. Ein wenig k\u00fchl, doch als ich ihn sah, wurde mir hei\u00df. Er spielte \nBass und sang dazu. Und er war der sch\u00f6nste junge Mann auf der ganzen \nWelt. Um mich herum himmelten viele junge M\u00e4dchen ihn an. Ein paar von \nIhnen wurden ohnm\u00e4chtig. Das passierte regelm\u00e4\u00dfig, bei jedem Konzert.<\/p>\n\n\n\n<p>So\n fiel ich allen nicht auf. Der Gro\u00dfteil der umstehenden oder umfallenden\n kreischenden Teenies war damit besch\u00e4ftigt, auf ihn zu achten, nur auf \nihn. Niemand wusste, dass ich einen anderen Grund hatte als sie. Au\u00dfer \nihm. Irgendwann, vielleicht zur Mitte des Konzertes, erblickte er mich. \nGl\u00fccklicherweise sang er gerade nicht, und im Gekreische und dem L\u00e4rm \nging vollkommen unter, dass er vor Schreck drei oder vier Takte lang \nvollkommen falsch spielte. Dann nickte er mir unauff\u00e4llig zu &#8211; direkt \nneben mir ging wieder eine dumme Vierzehn- oder F\u00fcnfzehnj\u00e4hrige zu \nBoden. Ich verlie\u00df die Halle und wartete. Dennoch war er bei mir: auf \ndem gro\u00dfen Plakat, dass die Gruppe \u201cJohn und die Panischen Brieftauben\u201d \nank\u00fcndigte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Konzert begab ich mich in den \nBackstagebereich. Die Wachen lie\u00dfen mich passieren. Wenn Blicke t\u00f6ten \nk\u00f6nnten, w\u00e4re ich jetzt einen 100fachen Tod durch hass- und neiderf\u00fcllte\n Teenager gestorben, denen der Zutritt verwehrt wurde. H\u00e4tte John &#8211; wie \ner sich ja nannte &#8211; gekonnt, h\u00e4tte er heute den Grundstein f\u00fcr eine \nVielzahl an Vaterschaftsklagen legen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Man brachte mich zu \nihm. Um ihn herum lagen die meisten schon im von Alkohol und Drogen \nverursachten Abwesenheitsstadium. \u201cHallo\u201d sagte ich nur kurz. Er f\u00fchrte \nmich zu einer T\u00fcr, \u00f6ffnete sie und geleitete mich hindurch.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir \nstanden in einer Art H\u00f6hle. \u201cHier k\u00f6nnen wir reden\u201d sagte er. \u201cEs gibt \n4000 L\u00f6cher in Blackburn Lancashire. Obwohl viele sehr klein sind, haben\n sie sie alle gez\u00e4hlt. Sie wissen sogar, wie viel L\u00f6cher in die Albert \nHall passen. Dieses ist nur eines davon.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Ich entgegnete: \u201cHast \nDu es schon geh\u00f6rt?\u201d Er blickte mich an. \u201cEr hat sich verabschiedet. \nEinfach sein Gehirn rausgeschossen. An einer Kreuzung. Eine Menge Leute \nschaute in den Wagen, weil er nicht reagierte, als die Ampel gr\u00fcn \nzeigte. Die meisten wussten nicht, woher sie sein Gesicht gesehen \nhatten.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cDann hat es begonnen? Ich muss das \u00fcberpr\u00fcfen.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Eine\n Zeit verging, w\u00e4hrend er weg war. Mir war langweilig. Ich kann mich \nnicht mehr daran erinnern, was ich alles machte. Vielleicht z\u00e4hlte ich \ndie L\u00f6cher. Ich redete mit mir, verstand mich aber nicht. Dann wachte \nich auf. An meinem Bett sa\u00df eine alte Frau. Meine Mutter. \u201cGanz ruhig, \ndu hast getr\u00e4umt\u201d sprach sie mit tiefer Stimme. Neben ihr lag ein Buch. \nEs war zugeklappt. Alice im Wunderland. Alles nur ein Traum. \u201cWie \ngefallen dir die Pillen?\u201d Irgendetwas war merkw\u00fcrdig. Diese Stimme&#8230; \nIch schlug die Augen auf. Er war zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cDu hast recht. Die \nEngel stehen vor den Toren. Die Posaunen sind bereit. Ich sah auch einen\n Walfisch und einen Petunientopf. Das ist nicht gut.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cEs wird \nnoch schlimmer kommen\u201d entgegnete ich ihm. \u201cWenn wir es nicht \nverhindern.\u201d Ich wusste, dass es schon jemand versucht hatte. Er fiel in\n ein wei\u00dfes Loch. Danach fehlte seine Farbe. Und er wollte nicht \nzur\u00fcckkehren.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cWenn wir es aber nicht verhindern, wird sich das Tier aus dem Meer erheben.\u201d<br>\u201cUnd dann?\u201d fragte er, doch es war eine rhetorische Frage, auf die ich gerne antwortete.<br>\u201cDie Apokalypse. Die Vernichtung der Welt. Ohne Erdbeerkuchen.\u201d<br>\u201cAber\n das ist unwahrscheinlich. Und unpraktisch. Wo soll ich denn meine \nZigaretten herkriegen? Es gibt Dutzende Planeten wie die Erde. Aber \nZigaretten gibt es nirgendwo.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Er \u00fcberlegte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cMusst Du eigentlich das tragen?\u201d unterbrach ich ihn.<br>Er\n zog den Rei\u00dfverschluss auf und rutschte aus seinem menschlichen K\u00f6rper \nheraus. \u201cEr war mir eh zu eng.\u201d Da stand er. In menschlichen Ma\u00dfst\u00e4ben \nviel zu klein und viel zu rot.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cDu musst ihn suchen gehen. Elvis ist der einzige der jetzt noch die Welt retten kann.\u201d<br>\u201cEr\n will nicht mehr zur\u00fcckkehren. Doch ich werde ihn suchen gehen\u201d sprach \nes. Es machte die T\u00fcr auf. Drau\u00dfen war eine lange Stra\u00dfe. Es seufzte. \nOhne sich noch einmal nach mir umzudrehen, ging es die regennasse Stra\u00dfe\n entlang, und ich sp\u00fcrte, dass es die richtige Entscheidung getroffen \nhatte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich danke den Beatles, Johannes, Douglas Adams und Fleetwood Mac f\u00fcr ihre Mitarbeit.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als die Band mit einem langsamen Titel von Elvis begann, atmete ich tief durch und dr\u00e4ngelte mich in die erste Reihe. Es war eine sternenklare Nacht. Ein wenig k\u00fchl, doch als ich ihn sah, wurde mir hei\u00df. Er spielte Bass und sang dazu. Und er war der sch\u00f6nste junge Mann auf der ganzen Welt. 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