{"id":290,"date":"2004-11-26T07:26:30","date_gmt":"2004-11-26T07:26:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.palandun.de\/?p=290"},"modified":"2020-02-29T07:27:17","modified_gmt":"2020-02-29T07:27:17","slug":"horrorskop","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.palandun.de\/index.php\/2004\/11\/26\/horrorskop\/","title":{"rendered":"Horrorskop"},"content":{"rendered":"\n<p>\nHaben Sie heute schon ihr Horoskop gelesen?<br>\u201eH\u00f6ren Sie auf die \nWarnsignale Ihres K\u00f6rpers und treten sie etwas k\u00fcrzer. Sie haben sich \n\u00fcberanstrengt und m\u00fcssen jetzt erst einmal wieder neue Kr\u00e4fte sammeln.\u201c<br>Nein, das war nicht mein Horoskop, sondern das von Oliver Kahn vor dem Endspiel der Weltmeisterschaft 2002.<\/p>\n\n\n\n<p>Der\n schnellste Weg zum Horoskop geht \u00fcber die Tageszeitung. Zuerst muss man\n sich selbst in einer Kategorie, den sogenannten Sternzeichen \nwiederfinden. Da gibt es beispielsweise Tiere wie Stier, Widder oder \nFische, letzteres wahrscheinlich f\u00fcr Leute mit Schuppen. F\u00fcr solche gibt\n es gleichzeitig auch den Wassermann. Dann gibt es Gegenst\u00e4nde wie die \nWaage &#8211; meist Leute mit Gewichtsproblemen &#8211; oder einige sehr Merkw\u00fcrdige\n wie Zwillinge (f\u00fcr Schizophrene?), Derry und Toms oder Jungfrau. \nInteressant dabei ist die Frage, ob Maria eine solche war, und wie ihr \nHoroskop am Weihnachtsmorgen in Betlehem gewesen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \nSternzeichen werden \u00fcbrigens noch eingeteilt in Luft-, Wasser-, Erde- \nund Feuer-Zeichen, wobei Fische ins Wasser geh\u00f6ren, Wasserm\u00e4nner aber zu\n den Luftsternzeichen &#8211; es muss ja nicht immer logisch sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Horoskope\n k\u00f6nnen sehr unterschiedlich \u00fcberbracht werden, und dann auch sehr \nunterschiedlich aussehen. Dabei h\u00e4ngt es nicht nur davon ab, wie sie \n\u00fcberbracht werden &#8211; als Zeitungsf\u00fclsel, SMS oder als Luxusausf\u00fchrung \nbeim heimischen Sterndeuter, sondern auch, wer sie konzepiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Da\n gibt es Schwammiges aus der Bildzeitung: \u201eIm Beruf m\u00fcssen sie heute mit\n R\u00fcckschl\u00e4gen rechnen. Daf\u00fcr l\u00e4uft es in der Liebe gut. Geldlich ist \nVorsicht geboten.\u201c Das stimmt dann meistens, beispielsweise: Der Kaffee \nim B\u00fcro war alle, die Frau ist endlich weggelaufen, und das gekaufte \nCrousson schmeckte nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Belanglosigkeiten k\u00f6nnen auch durch\n ein paar Anregungen wie \u201eSie k\u00f6nnten auch mal wieder sportliche \nAktivit\u00e4ten einplanen. Mehr Bewegung wird Ihnen gut tun, ein netter \nAbend mit Freunden zum Beispiel auch.\u201c Gut, das erste stimmt nat\u00fcrlich \nfast immer, das zweite&#8230; auch. Das Horoskop war \u00fcbrigens w\u00e4hrend der \nolympischen Spiele f\u00fcr Widder g\u00fcltig, und zwar an dem Tag, als die \nWidderin Franzi von Almsick als F\u00fcnfte am Schwimmbeckenrand anschlug. \nDamit hatte sie ihre sportliche Aktivit\u00e4t nicht nur eingeplant, sondern \nim Gegensatz zu vielen anderen, die lieber vor dem Bildschirm \nverharrten, umgesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Andere Zeitungen sind nicht f\u00fcr \nBelanglosigkeiten oder Tipps zu gebrauchen, da sind Horoskope mehr \nBefehle der Art\u201eGehen sie nicht \u00fcber Los, ziehen sie keine 2000 Euro \nein.\u201c Klingt kryptisch, man weiss auch nicht, warum es nicht tun soll, \naber die Konsequenzen d\u00fcrften grausam sein. Mist, das war Monopoly. \nEigentlich meinte ich \u201eSie sollten heute keine Geldgesch\u00e4fte machen. \nKeinesfalls.\u201c Dann gehe ich halt morgen in die Bank.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Fernsehen\n sind diese Botschaften \u00fcbrigens drastischer, da heisst es \u201eWassermann? \nRuf mich an.\u201c Beim Deutschen Sportfernsehen sitzen sie in der ersten \nReihe.<\/p>\n\n\n\n<p>Horoskope k\u00f6nnen aber auch anheimelnd psychologisch sein: \n\u201eHeute werden Barrikaden zwischen Ihnen und anderen Menschen \neingerissen.\u201c Klingt nach Beziehungsverbesserung, war ein \nHonecker-Horoskop im Herbst 1989.<\/p>\n\n\n\n<p>Richtige Profis haben bemerkt, \ndass Vorhersagen, die f\u00fcr ungef\u00e4hr ein Zw\u00f6lftel der Menschheit gleich \nsind, etwas komisch wirken. Deswegen haben sie die Nebenbedingungen \ndazuerdacht. Das klingt dann so: \u201eFr\u00fch geborene Wasserm\u00e4nner \n(21.1.-31.1.) mit Assistent Jungfrau und Transzendent Loddar Madd\u00e4us, \ndie in einer lauen Sommernacht um ca. 3 Uhr morgens geboren wurden, \nm\u00fcssen heute, wenn der Neptun im 12. Haus, der Jupiter aber ausgegangen \nist, damit rechnen, die Klorolle wechseln zu m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fcher wie \nheute gibt es einen grossen Kampf. Handleser, Kristallkugelgucker, \nSternebeobachter und Hobbyg\u00e4rtner k\u00e4mpfen mit Harken und \u00d6sen um die \nZukunft, letzterer jedoch nur in botanischer Hinsicht. Im alten \nGriechenland gab es besondere Frauen, die mit dem Halluzinogen \nausgestattet waren. Man nannte sie Orakel. Heute w\u00fcrde man Kiffer dazu \nsagen. Die sagten dann so sch\u00f6ne Sachen wie: wenn Du \u00fcber den Fluss \npisst, wird ein grosses Reich untergehen. Daraufhin ritt der Beratene \nlos und verlor sein Reich. Daraufhin sprach er: Wir haben die \nSchlachtplatte gewonnen, aber den Krieg verloren. Oder so \u00e4hnlich. Da \ndie Deutlichkeit der Aussagen eines Orakels nur noch von politischen \n\u00c4usserungen unserer Zeit untertroffen werden, kam das Orakel sehr \nschnell wieder aus der Mode.<\/p>\n\n\n\n<p>In Gallien las man in die \nEingeweiden von Tieren, manchmal auch Menschen. Ungenaue Vorhersagen wie\n \u201eIhr Leben sieht sehr verwickelt aus\u201c sorgten jedoch daf\u00fcr, dass der \nDarmschnitt aus der Mode kam.<\/p>\n\n\n\n<p>In Rom entwickelte sich dann die \nunbedingt g\u00fcltige Prophezeiung, die man heute noch bei \u00c4rzten h\u00f6rt: \u201eEs \nk\u00f6nnte jetzt weh tun.\u201c Original: Brutus zu Julius C\u00e4sar. Worauf der \nbegegnete: \u201eAlea iacta est\u201c oder \u201eMeine W\u00fcrfel sind mir runtergefallen\u201c.\n Das wiederum deutete auf die damalige Vorhersage per W\u00fcrfel hin.<\/p>\n\n\n\n<p>Im\n Mittelalter versuchte man sogar den Charakter der Menschen mit \nVorhersagen herauszufinden, um f\u00fcr Gott eine Vorauswahl zu treffen. Wer \nauf dem Scheiterhaufen brannte, war f\u00fcr das Fegefeuer gedacht. Nur wer \nnicht brannte, konnte mit dem Himmel rechnen. Erstaunlicherweise \nentschieden sich die meisten f\u00fcrs Brennen, wahrscheinlich weil man im \nHimmel genau den Leuten wiederbegegnet w\u00e4re, die einen verbrannten. Ob \nGott sich an solche Empfehlungen h\u00e4lt, ist \u00fcbrigens noch nicht bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fcher\n waren M\u00e4nner die Hauptopfer f\u00fcr Horoskope. Im 19. Jahrhundert \u00e4nderte \nsich das, da wurden die Frauen die Hauptzukunftsinteressenten. Da begann\n man wahrscheinlich, seine Zeitung auf dem Klo zu lesen. Und Frauen \nhatten da nun mal einen Vorteil. Zu der Zeit pinkelten M\u00e4nner noch im \nStehen, da kann das Horoskope lesen leichte Probleme verursachen. Fr\u00fcher\n waren nur Schlitzpisser Sitzpisser. Ich lass da nix aus. Wo gehobelt \nwird, fallen Schw\u00e4ne.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht nur zeitlich, auch \u00f6rtlich gibt es \nBesonderheiten: die Japaner haben nicht nur mehr Buchstaben, sondern \nauch mehr Sternzeichen als wir. Das kommt daher, dass die Japaner an \nanderer Seite sparen. In Japan hat die Tonleiter nur 5 T\u00f6ne, hier in \nEuropa sind es schon 7. Da hat der Japaner halt mehr Zeit f\u00fcr andere \nHobbys. Trotzdem sind wir im Sport besser, denn die Japaner japsen.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute\n gibt es noch eine besondere Art der Zukunftsdeutung: die Prognose. Das \nist die wissenschaftliche Version der Weissagung. Da sammelt man Fakten \nund Daten, vergisst diese wieder, denkt sich eine wahrscheinliche \nZukunft aus und garniert diese wieder mit den Fakten und Daten, auch \nwenn beides nichts miteinander zu tun hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Die besondere Prognose\n ist die Wettervorhersage. Es ist erstaunlich, wie viele Leute den \nmenschlichen Wetterfr\u00f6schen noch glauben, wenn der Regenguss \nherunterkommt, der 1 Stunde vorher kategorisch ausgeschlossen wurde. \nVielleicht sollte man f\u00fcr Wettervorhersagen wieder altgriechische \nWahrsagemethoden nehmen. Jedoch kann man nicht verleugnen, dass die \nMedien dann das Dopingproblem bei Wetterfr\u00f6schen wieder \nhochsterilisieren w\u00fcrden. Oder so \u00e4hnlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt noch ein paar Tipps f\u00fcr Neu-Horoskopierer:<\/p>\n\n\n\n<p><strong> Suchen sie sich immer einfache Opfer. Z.B. Frauen, die blond wie ein Maulwurf sind, oder W\u00e4hler. Die glauben alles.<br>\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong>  Versprechen sie viel. Den Leuten muss das Wasser im Mond  zusammenlaufen. Aber auch nicht zuviel. Nachher fragen die Leute, wo es  geblieben ist.<br>\u00a0\u00a0\u00a0 Sagen sie Reichtum voraus. Aber nicht, dass es ihr eigener sein wird. <\/p>\n\n\n\n<p>Kurz\n vor Schluss noch ein dummer Spruch: Wer anderen eine Grube gr\u00e4bt ist \nBauarbeiter. oder auch nicht. Zumindest ist er w\u00e4hrenddessen zu \nbesch\u00e4ftigt, um sein Horoskop zu lesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Guten Abend.\n\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Haben Sie heute schon ihr Horoskop gelesen?\u201eH\u00f6ren Sie auf die Warnsignale Ihres K\u00f6rpers und treten sie etwas k\u00fcrzer. Sie haben sich \u00fcberanstrengt und m\u00fcssen jetzt erst einmal wieder neue Kr\u00e4fte sammeln.\u201cNein, das war nicht mein Horoskop, sondern das von Oliver Kahn vor dem Endspiel der Weltmeisterschaft 2002. 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