{"id":301,"date":"2005-09-26T07:31:00","date_gmt":"2005-09-26T07:31:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.palandun.de\/?p=301"},"modified":"2020-02-29T07:31:36","modified_gmt":"2020-02-29T07:31:36","slug":"gedanken-zum-tagesgeschehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.palandun.de\/index.php\/2005\/09\/26\/gedanken-zum-tagesgeschehen\/","title":{"rendered":"Gedanken zum Tagesgeschehen"},"content":{"rendered":"\n<p>\nGestern habe ich gelesen, dass eine Frau in Emmerich ihren Vater<br>\nbeziehungsweise dessen Leiche drei Jahre lang in einer Biotonne<br>\nversteckte. Im ersten Moment macht einen das stutzig. Emmerich &#8211; liegt<br>\ndas eigentlich in Deutschland? Hierzulande h\u00e4tte man das ja nicht f\u00fcr<br>\nm\u00f6glich gehalten. Liegt aber wirklich hier. Auch in zweiter Linie war<br>\nich verbl\u00fcfft. Da steckt die ihren Vater in den M\u00fclleimer, denkt aber<br>\nimmerhin daran, die Biotonne zu benutzen. Wahrscheinlich eine<br>\nGr\u00fcnenw\u00e4hlerin. Oder auch nicht: was hat sie in den drei Jahren mit<br>\nihrem Biom\u00fcll gemacht? In die graue Tonne gesteckt? Heimlich bei den<br>\nNachbarn eingeworfen?<br><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist aber nicht alles: das muss doch gestunken haben. Die<br>\nmeisten Leute stinken nach ihrem Ableben. Einige auch schon vorher. Die<br>\nFrau muss entweder sehr einsam gewohnt oder naslich vorbelastete<br>\nNachbarn haben. Sehr merkw\u00fcrdig.<br>\n<\/p>\n\n\n\n<p>Merkw\u00fcrdig auch das Verhalten der Beh\u00f6rden: sie haben die Frau<br>\nwegen Betruges und des Verstosses gegen das Bestattungsgesetz<br>\nangeklagt. Das ist klar: Betrug, weil sie weiter die Rente des Vaters<br>\nkassiert hat, und Bestattungsgesetz, weil es in Deutschland gesetzlich<br>\ngeregelt ist, dass Bestattungsunternehmer sich am Tode ihre Mitmenschen<br>\neine goldene Nase verdienen d\u00fcrfen. Was mich vielmehr irritiert: der<br>\nVerstoss gegen die M\u00fcllverordnung bleibt unges\u00fchnt. Oder macht sie sich<br>\nerst strafbar, wenn sie die M\u00fclltonne mit dem Vater der M\u00fcllabfuhr<br>\n\u00fcbergibt? Vielleicht wurde dieses Detail auch ausgespart. Oder hat die<br>\nPresse sich die Geschichte etwas zurecht gebogen?<br>\n<\/p>\n\n\n\n<p><br>\nIch weiss da gar nicht, was ich glauben soll: ist die Geschichte wahr oder nur Medientauglich?<br>\n<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders, weil am n\u00e4chsten Tag eine Nachfolgemeldung kam, die<br>\nnicht als Nachfolge- sondern eigenst\u00e4ndige Meldung pr\u00e4sentiert wurde:<br>\nin Australien soll es einen Friedhof geben, auf den die Leute ohne Sarg<br>\naufrechtstehend beerdigt werden. Wie funktioniert das? Die meisten<br>\nalten Leute stehen eh schon schlecht, nach ihrem Tod sollen sie dann<br>\nauch nur einen Stehplatz kriegen? Vielleicht sind die Meldungen im<br>\nallgemeinen Sparwahn zu sehen: Hauptsache, g\u00fcnstig. Gut, die meisten<br>\nReligionen gehen eh davon aus, dass man im Nachleben nicht mehr soviel<br>\nVerwendung f\u00fcr den K\u00f6rper hat. Gerade bei den Christen ist der K\u00f6rper<br>\nja eher ein Gebrauchsgegenstand. Da ist die M\u00fclltonnenbeerdigung dann<br>\ngar nicht so falsch. Wenn man dem K\u00f6rper vorher die nicht<br>\nkompostierbaren Dinge entzieht, wie z.B. Goldz\u00e4hne oder Teer aus der<br>\nLunge, den man noch im Strassenbau einsetzen kann&#8230;<br>\n<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich bleibt aber noch die Frage: kann das den wahr sein?<br>\nIch kenne weder die Frau noch war ich in Australien. Da kann mir die<br>\nZeitung ja alles erz\u00e4hlen. Ich habe schon Schwierigkeiten mit den<br>\nallt\u00e4glichen Meldungen. Hinter Wallmart soll ja Scientology stecken.<br>\nLidl soll seine Angestellten schlecht behandeln. Beide Firmen<br>\ndementieren. Wem soll ich jetzt glauben? Der Presse oder der der<br>\njeweiligen Firma. Vielleicht doch lieber der Presse. Das ist einfacher.<br>\nVielleicht gibt es bei Wallmart auch demn\u00e4chst g\u00fcnstige Papps\u00e4rge. Oder<br>\nbei Lidl. Oder Aldi. Aber Vorsicht: bei Sonderangeboten muss man<br>\nschnell zugreifen, die sind meistens noch am selben Tag weg. Also<br>\nlieber vorsorgen und zwei Tage vorher der Oma Strichnin geben. Wenn man<br>\nden Sarg erst kauft und dann jemand stirbt, macht man sich verd\u00e4chtig.<br>\n<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fcher war die Sache einfacher: da gab es einen Toten, einen<br>\nSarg und eine Beerdigung. Das geh\u00f6rte zusammen. Heute wird es alles<br>\nschwieriger.<br>\n<\/p>\n\n\n\n<p>Meine heutige Geschichte endet also mit mehreren Fragen, die<br>\nich auf meinen Zettel mit den ungel\u00f6sten Problemen schreiben werde.<br>\nMittlerweile sind es schon einige Zettel. <\/p>\n\n\n\n<p><br>\nDa stehen dann Dinge drauf wie \u201eWarum parken auf Behindertenparkpl\u00e4tze<br>\nnur Nicht-Behinderte.\u201c Gestern sahen mein Sohn und ich einen<br>\nTelekominstallationswagen, der auf einen Behindertenparkplatz fuhr. Ich<br>\nblieb mal stehen. Als der Telekomiker ausstieg, sagte ich zu meinem<br>\nSohn \u201eGuck mal, das ist ein Behindertenparkplatz. Da d\u00fcrfen nur Leute<br>\nparken, die behindert sind.\u201c Dann guckten wir in Richtung des<br>\nParkenden. Der fragte: \u201eWas gucken sie?\u201c Ich zu meinem Sohn: \u201eAlso:<br>\nstumm und taub ist er schon mal nicht.\u201c Der Leitungsinspektor drauf:<br>\n\u201eWie? Was?\u201c Ich: \u201eH\u00f6ren kann er auch.\u201c Der Mann kam auf uns zu. \u201eGehen<br>\nist auch in Ordnung.\u201c Der Telekomunist: \u201eWas erlauben sie sich?\u201c Ich<br>\nentgegnete: \u201eNa ja, das ist ein Behindertenparkplatz. Und wir \u00fcberlegen<br>\ngerade, welche Behinderung sie haben. Mein Sohn muss ja was lernen,<br>\nverstehen sie?\u201c Er verstand nicht und entgegnete, dass es eine<br>\nFrechheit sei, er wolle nur eben ein St\u00fcckchen beim B\u00e4cker erwerben,<br>\nund es sei ja noch genug Platz frei. Das wiederum stimmte. Ich frage<br>\nmich allerdings noch immer, wie ein Rollstuhlfahrer aus einer normalen<br>\nParkl\u00fccke rauskommen soll. Ich stimmte ihm zu: \u201eGut, dann ist das ja<br>\nerlaubt. Das ist eine sogenannte sozialverhaltensbedingte Behinderung.<br>\nSie sollten sich daf\u00fcr dennoch einen Behindertenausweis besorgen.\u201c<br>\n<\/p>\n\n\n\n<p>In solchen Momenten ist es immer gut, einen kleinen Jungen auf<br>\ndem Arm zu haben. Sonst h\u00e4tte ich mir eine Ohrfeige eingefangen. Und<br>\ndas ist heutzutage strengstens verboten, auch Frauen und Kindern<br>\ngegen\u00fcber. Eigentlich schade. Schon K\u00e4stner schrieb, dass eine t\u00fcchtige<br>\nOhrfeige auch vor der Ehe nicht ungeh\u00f6rlich ist, sondern der nur gut<br>\ntun kann. Darf man aber nicht mehr. Daf\u00fcr gibt es andere Mittel. Ich<br>\nhabe z.B. ein paar Folgen Lindenstra\u00dfe auf Video aufgenommen. Wenn<br>\nmeine Frau frech ist, muss sie die gucken. Das wirkt.<br>\n<\/p>\n\n\n\n<p>Wo war ich eigentlich stehen geblieben? Ach ja, der Zettel mit<br>\nden Fragen. Sollte ich einmal sterben &#8211; und ich rechne fest damit, es<br>\nist quasi ein Lebensziel &#8211; werde ich Gott mal um eine Gesamtl\u00f6sung f\u00fcr<br>\ndie Welt bitten. Gibt es bei Computerspielen auch. So wie ich ihn<br>\nkenne, wird er einen Lachanfall bekommen, mir die Hand auf die Schulter<br>\nlegen, und dann stossen wir mit Landbier an. <\/p>\n\n\n\n<p><br>\nProst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern habe ich gelesen, dass eine Frau in Emmerich ihren Vater beziehungsweise dessen Leiche drei Jahre lang in einer Biotonne versteckte. Im ersten Moment macht einen das stutzig. Emmerich &#8211; liegt das eigentlich in Deutschland? Hierzulande h\u00e4tte man das ja nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten. Liegt aber wirklich hier. 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