{"id":305,"date":"2005-07-26T07:32:38","date_gmt":"2005-07-26T07:32:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.palandun.de\/?p=305"},"modified":"2020-02-29T07:33:14","modified_gmt":"2020-02-29T07:33:14","slug":"maerchen-von-den-zwei-haesslichen-koenigskindern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.palandun.de\/index.php\/2005\/07\/26\/maerchen-von-den-zwei-haesslichen-koenigskindern\/","title":{"rendered":"M\u00e4rchen von den zwei h\u00e4sslichen K\u00f6nigskindern"},"content":{"rendered":"\n<p>\nEs waren einmal eine K\u00f6nigin und ein K\u00f6nig. Die waren sehr sch\u00f6n. Sie \nhatten zwei Kinder. Eine Tochter und einen Sohn. Beide waren von einer \nabsto\u00dfenden H\u00e4sslichkeit. Sie waren sogar so h\u00e4sslich, dass sich ihre \nEbenbilder im Spiegel abwendeten. Wenn sie in die N\u00e4he von Milch kam, so\n wurde diese sauer, selbst wenn sie noch in der Kuh war.<\/p>\n\n\n\n<p>So \nlebten die K\u00f6nigskinder (und der K\u00f6nig und die K\u00f6nigin) ungl\u00fccklich vor \nsich hin. Die Kinder wurden in der Schule nur deswegen nicht geh\u00e4nselt, \nweil sie die einzigen Sch\u00fcler waren. In ihrer freien Zeit (und damals \nhatte jeder nur wenig freie Zeit) aber wollte niemand mit ihnen spielen.\n Das machte die Eltern traurig, dann erz\u00fcrnt, und schliesslich gewaltig \nw\u00fctend. Immer aber, wenn der K\u00f6nig gewaltig w\u00fctend wurde, ging er zu \nseinem Henker. Der war nicht nur gross und stark, sondern auch \nerstaunlich klug. Er lauschte dem Leid des K\u00f6nigs und entgegnete dann: \n\u201eOh K\u00f6nig, wenn das nur ein Problem w\u00e4re. Verf\u00fcge, dass ein jeder \nJugendliche im Land eine Maske zu tragen hat, bis er die Vollj\u00e4hrigkeit \nerreicht hat.\u201c Der K\u00f6nig aber st\u00f6hnte: \u201eOb das mein Problem l\u00f6sen kann?\u201c\n \u201eNa ja, oder halt R\u00fcbe ab\u201c meinte der Henker. Da verf\u00fcgte der K\u00f6nig gar\n k\u00f6niglich, dass jeder Jugendliche eine Maske zu tragen h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ungl\u00fccklicherweise\n f\u00fchrte das zu einem neuen Problem. Unter ihren Masken waren die \nBurschen und die M\u00e4dels nur noch schwerlich zu unterscheiden. Nur die \nReichen, die Besitzer von Handelsh\u00e4usern, Werften oder Goldeseln, \nkonnten ihren Kindern eine besondere, einzigartige Maske kaufen. Die \nanderen jedoch begannen, ihre Anonymit\u00e4t ausnutzen und z\u00fcndeten \nEselskarren und Lagerhallen an, und sie hatten m\u00e4chtig Spass und \npr\u00fcgelten sich mit der Stadtwache. Da kam der K\u00f6nig zu seinem Henker und\n sprach: \u201eOh Henker, was soll ich den tun?\u201c Und der erwiderte: \u201eVerbiete\n Masken.\u201c Der K\u00f6nig aber st\u00f6hnte: \u201eOb das mein Problem l\u00f6sen kann?\u201c \u201eNa \nja, oder halt R\u00fcbe ab\u201c meinte der Henker. So verbot der K\u00f6nig die \nMasken. Das widersprach nat\u00fcrlich dem Maskierungsgebot. Da jedoch die \nStrafe auf das Tragen von Masken h\u00f6her war als die f\u00fcr das Nichttragen, \nf\u00fcgten sich bald alle, und der Staatshaushalt sanierte sich durch die \nBu\u00dfgelder.<\/p>\n\n\n\n<p>Da sprach der Prinz, der mittlerweile ein stattlich \nh\u00e4sslicher J\u00fcngling geworden war, zu seiner ebenso liebenswerten \nSchwester: \u201eZiemliche Scheisse, was?\u201c Und sie entgegnete: \u201eJau, M\u00e4n, \nstop the motherfucking assholes.\u201c Beide hatten n\u00e4mlich zuviel MTV \ngeguckt und schlimme Videospiele gespielt, wenn ihre Eltern und Erzieher\n nicht aufpassten. Dann beschlossen sie, gemeinsam ihr Gl\u00fcck in die \nH\u00e4nde zu nehmen, und damit ist kein Inzest gemeint.<\/p>\n\n\n\n<p>So gingen sie\n zu ihren Eltern, denn f\u00fcr ein ordentliches Weglaufen reichte es bei \nihnen noch nicht, und sie offenbarten sich dem K\u00f6nig und der K\u00f6nig. Die \nMutter doch war nicht begl\u00fcckt. Laut weinte sie mit gesenktem Kopf, denn\n der Abschied schmerzte sie sehr. Doch die Kinder beharrten darauf, dass\n sie ihr Gl\u00fcck finden m\u00fcssten, und der Vater sprach weise: \u201eNun denn, \ndann liegen sie mir wenigstens nicht mehr auf der Tasche.\u201c Er liess \nihnen nat\u00fcrlich einiges geben, was sie auf ihrer Reise gebrauchen \nkonnten: Wein, Brot, K\u00e4se, einen handlichen Routenplaner und \nTravellerCheques.<\/p>\n\n\n\n<p>Da begaben sich die Kinder auf die Strasse, und\n der Junge sprach: \u201eWir werden mit den Reisenden sprechen, unter welchem\n Stern sie wandeln, und wir werden sehen, ob das gut ist.\u201c Die Schwester\n aber entgegnete: \u201eJo.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Als erstes trafen sie einen \ndunkelhaarigen Mann, und dieser war nackt wie ein Exhibitionist. Doch \ndas machte nichts, denn einerseits war es so warm, dass die W\u00e4rme \nklirrte, andererseits war er Exhibitionist und dieses seine \nBerufskleidung. Diesen fragten sie nach seinem Credo, und er entgegnete:\n \u201eEinem nackten Mann kann man nicht in die Tasche greifen, aber woanders\n hin\u201c und die Prinzessin entgegnete: \u201eDieses Motto ist \u00fcbersehbar, wie \nso manches andere hier.\u201c Da schlenderte der Exhibitionist hastig davon.<\/p>\n\n\n\n<p>Als\n n\u00e4chstes kamen sie an zwei Leuten vorbei, die waren wohl K\u00fcnstler. Der \neine war alt wie eine Hundeschnauze und stockblind, der andere aber war \nfett wie ein Turnschuh und blond wie ein Maulwurf. Und sie zeigten ihre \nKunst, denn der dicke war ein Messerwerfer und der andere ein \nMesserbeworfener. Ungeschickt wirbelte der Werfer herum und warf \nmetergenau an dem anderen vorbei und erlegte dabei ein vorbeieilendes \nSumpfhuhn. Da sprach der Sehende: \u201eIn der Gesellschaft der Blinden ist \nder H\u00fchner\u00e4ugige der K\u00f6nig\u201c und der andere f\u00fcgte hinzu: \u201eSeelig sind die\n Geistig Armen, und dieser Spruch ist geklaut.\u201c Da eilten sie weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann\n kamen sie zu einem Rosenverk\u00e4ufer, und der sagte: \u201eWolle Rose kaufe?\u201c \nDa kaufte der Prinz der Prinzessin eine Rose und sie stachen sich daran.\n Da wurde der Rosenverk\u00e4ufer mutig wie eine M\u00f6we und behauptete, das \nseie ein Zeichen, doch er wisse selbst nicht wof\u00fcr. Und er schrieb ihre \nNamen auf und versprach, sie in eine Lostrommel zu stecken und \nvielleicht gew\u00e4nnen sie den Hauptpreis. Da fragten sie ihn nach seinem \nLeben, und er entgegnete schnell wie der Witz, als k\u00f6nnte er kein \nW\u00e4sserchen kl\u00e4ren: \u201eEine Rose hat Dornen. Wolle Rose kaufe?\u201c Und so \nkauften sie und verliessen ihn.<\/p>\n\n\n\n<p>Da trafen sie eine jungen Mann, \nder war noch gelb hinter den Ohren, den er war Chinese. Er zeigte ihnen \neinige coole Tricks mit Kampfst\u00e4ben &#8211; das war nicht so einfach, denn der\n Boden war gen Abend spiegeleiglatt geworden &#8211; und danach noch seine \nKochkunst, auf die er stolz war wie eine Sau. Doch der Prinz sagte: \u201eDas\n ist nicht chinesisch, sondern eine dem chinesischen h\u00f6chstens ein wenig\n nach empfundene Speise des amerikanischen Kolonialismus.\u201c Da wurde der \nChinese weiss wie die Nacht und backte vor Wut, und schrie hinaus: \u201eIch \nm\u00f6chte einen Kontrobass\u201c. Da fiel es ihnen wie Schuppen von den Haaren, \nsie umarmten ihn und ehrten ihn.<\/p>\n\n\n\n<p>Als letztes jedoch kamen sie zu \neiner Party, da waren viele Leute, die glichen wie ein Elch dem anderen.\n Der erste sprach die Prinzessin an mit einer Stimme, die war zu grell \nwie eine Glocke, und er fragte: \u201eWillse nen Joint?\u201c Und die Prinzessin \nantwortete: \u201eIn exponentiell idealistischer Ansichtsweise der modernen, \nvon Hypertonie begleiteten Psychologie ist die Wahrscheinlichkeit einer \nreal im nicht negativen Bereich liegenden Antwort in einem Umkreis um \neinen Punkt der Wahrscheinlichkeitsskala angesiedelt, der \u00fcber dem \nDurchschnitt liegt.\u201c Und das hiess ja. Da nahmen sie einen Joint und \npoppten, und wenn sie nicht gestorben sind, dann jointen und poppen sie \nnoch heute. Der Prinz aber hatte genug vom Lotterleben, gr\u00fcndete eine \nGeisterbahn und ist heute noch in Hessen als Requisite seiner Bahn \nunterwegs.<\/p>\n\n\n\n<p>Und die Moral der Geschichte: Wenn du bei so einem \nM\u00e4rchen nach einer Moral suchst, biste schon selber schuld. Und die \nmeisten Witze sind so gut wie alt. Oder: der Wahnsinn hat Methode. Egal.\n Jo Man.\n                \t\t\t\t\t              \n\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es waren einmal eine K\u00f6nigin und ein K\u00f6nig. Die waren sehr sch\u00f6n. Sie hatten zwei Kinder. Eine Tochter und einen Sohn. Beide waren von einer absto\u00dfenden H\u00e4sslichkeit. Sie waren sogar so h\u00e4sslich, dass sich ihre Ebenbilder im Spiegel abwendeten. 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