{"id":337,"date":"2009-04-03T07:51:00","date_gmt":"2009-04-03T07:51:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.palandun.de\/?p=337"},"modified":"2020-02-29T07:52:10","modified_gmt":"2020-02-29T07:52:10","slug":"zahlenspiele-und-bankenkrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.palandun.de\/index.php\/2009\/04\/03\/zahlenspiele-und-bankenkrise\/","title":{"rendered":"Zahlenspiele und Bankenkrise"},"content":{"rendered":"\n<p>\nJosef Ackermann neulich hat gewarnt: wenn man die Boni nicht an die \nganzen B\u00e4nker auszahlt, dann gehen die. Dann gehen die ins Ausland. Dann\n sind die nicht mehr da, um hier weiter Geld zu verbrennen, wenn es \n\u00fcberraschenderweise irgendwo wieder aufgetaucht ist. Wir fragen uns: wo \nist der Nachteil?<\/p>\n\n\n\n<p>Aber der Ackermann, das ist ein wahrer Patriot.\n Der sch\u00fctzt sein Heimatland. Das ist dummerweise die Schweiz, die er \nvor unseren B\u00e4nkern sch\u00fctzen will.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt kriegen alle \nKrisenmanager \u2013 also anders: die Krisenverursachenden Manager \u2013 viel \nGeld f\u00fcr die Verursachung. Da sind dann auch viele Leute sauer drauf. \nMan bezeichnet das dann als Neid. Sagt, dass die Leute neidisch sind auf\n Manager, die viel Kohle verdienen. Das ist sch\u00f6n: Neid, abstempelt, \ndarfste nicht. Neiddebatte halt. Niedere Beweggr\u00fcnde, da geht man als \nBeneideter dr\u00fcber weg. Man sagt auch: \u201eNeid ist die gr\u00f6\u00dfte Anerkennung.\u201c\n Als Sozialkr\u00fcppel w\u00fcrde ich das auch so sehen. Aber: Neid ist erst mal \nein wichtiges negatives Sozialfeedback. Und da muss man mal gucken: ist \ndas Feedback begr\u00fcndet oder ist es unbegr\u00fcndet oder teilweise. Und wenn \nman dann nicht schafft zu differenzieren, dann darf man nat\u00fcrlich auch \ngleich sagen: ist Neid. Und man kann auch sagen: neidisch sein hat ja \nnichts mit gerecht zu tun. Man kann ja auch neidisch sein, weil man \netwas falsches \u00fcber einen denkt. Das muss einfach ungerecht sein, dass \ndie alle neidisch sind. Die hatten doch auch alle Chance, was zu werden.\n Gut, vielleicht konnten sich nicht alle Pl\u00e4tze an Eliteunis leisten. \nUnd es w\u00e4re auch recht voll in der Elite mit 80 Millionen Deutschen. <\/p>\n\n\n\n<p>Das\n ist aber auch zu einfach. Selbst wenn es Neid ist: Dadurch das Neid \nh\u00e4ufig nicht oder nicht so stark gerecht oder gerechtfertigt ist, hei\u00dft \nnicht, dass er gleich falsch ist. Unser Rechtssystem hat ja auch nix mit\n Gerechtigkeit zu tun, aber es gibt schon Urteile, wo zumindest ein \nGro\u00dfteil zustimmen w\u00fcrde: ja, das war richtig. Sozialneid hat man \n\u00fcbrigens schon im 19. Jahrhundert gesagt, als die Arbeiterbewegungen \ndaf\u00fcr sorgen wollten, dass es den ausgebeuteten Massen vielleicht ein \nbisschen besser geht.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Manager sagen ja auch: ich habe ein \nstressiges Leben, kaum Zeit, und da will ich auch was f\u00fcr haben. Im \nEndeffekt gibt es aber genug Leute, die dieses Leben gerne in Kauf \nnehmen w\u00fcrden f\u00fcr die Aufgabe, Geld zu vernichten.<\/p>\n\n\n\n<p>An unserem \nSystem sollen wir aber nicht r\u00fctteln, sagen Politiker, Weise und \nManager. Wann denn als in schlechten Zeiten? In guten Zeiten wird ja \ngesagt: nee, l\u00e4uft gut, lassen wir. Und wenn einer was sagt, ist er \nSpinner oder neidisch. In schlechten Zeiten wird dann gesagt: nee, lief \ngut, lassen wir. Man sollte sich aber schon vor Augen f\u00fchren: die \nmeisten Systemwechsel kamen, weil in schlechten Zeiten kein Entscheider \ndas System ver\u00e4ndern wollte. Und hin und wieder landeten die Entscheider\n dann auf der Goulutine oder anderen Ger\u00e4tschaften der absoluten \nBasisdemokratie.<\/p>\n\n\n\n<p>Und jetzt noch ein bisschen Rechnung in der Bankenkrise:<br>Ein\n Hartz 4-Empf\u00e4nger kriegt mit ein bisschen Gl\u00fcck 800 Euro im Monat, also\n aufgerundet und mit den Kosten, die er unversch\u00e4mterweise im Amt \nverursacht, 10000 Euro im Jahr. Das sind dann f\u00fcr jemanden, der als \n16j\u00e4hriger anf\u00e4ngt und als 80j\u00e4hriger aufh\u00f6rt noch nicht mal eine \nMillion.<\/p>\n\n\n\n<p>Jede fr\u00fchpensionierte Lehrkraft kostet den Staat nach \neiner Berechnung des Bayerischen Kultusministeriums vor 5 Jahren 375 000\n Euro. Lustigerweise ist das die gleiche Summe, die der Ministerrat im \nDezember letzten Jahres zur gezielten Gewinnung von Lehrkr\u00e4ften zur \nVerf\u00fcgung gestellt hat. Jetzt nicht f\u00fcr jeden, sondern insgesamt f\u00fcr \nWerbema\u00dfnahmen, um neue Lehrer zu finden. Also: das Finden von vielen \nneuen Lehrern kostet also genauso viel wie das Abwracken eines alten. \nNoch anders: die Abwrackpr\u00e4mie f\u00fcr Lehrer ist viel h\u00f6her als die f\u00fcr \nAutos. Wohlgemerkt ist das jetzt das Geld f\u00fcr wenn sie nicht mehr da \nsind. Vorher kostet so ein Lehrer auch schon \u00fcber eine Million. Und die \nSch\u00e4den, die er an den Kindern verursacht \u2013 Ausgaben f\u00fcr Nachhilfe, \nPsychologen und Gef\u00e4ngnisw\u00e4rter \u2013 sind da noch gar nicht eingerechnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Jeder\n Bergarbeiter wird mit 70000 Euro im Jahr subventioniert. Also nicht das\n jetzt jemand glaubt, die kriegen das. Das ist jetzt einfach Subvention \ndurch Anzahl der Bergarbeiter geteilt. Da ist klar, da m\u00fcssen Maschinen \nund Manager und so was bezahlt werden. Aber: wenn ein Bergarbeiter 40 \nJahre arbeitet, dann sind das 2,8 Millionen, und da ist jetzt die Rente \nnoch gar nicht mit drin. Gut, ein Minimalteil des Geldes kommt nat\u00fcrlich\n durch Lohnsteuer wieder rein. Sagen wir mal 10000 Euro pro Jahr &#8211; f\u00fcr \nalle Bergarbeiter zusammen &#8211;&nbsp; oder so, weil man von dem Gehalt eines \nBergarbeiters jetzt auch nicht so viel hat, da f\u00e4llt Lohnsteuer \nwahrscheinlich auch nur in Doppelverdienerhaushalten an.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Hypo\n Real Estate hat nach eigenen Angaben ungef\u00e4hr 2000 Mitarbeiter und \nkriegt staatlich Beihilfen und Garantien im Wert von 100 Milliarden \nEuro. Ausgeschrieben: 100.000.000.000 Euro. Das sind pro Mitarbeiter 50 \nMillionen Euro. <\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Gesamtsumme von 100 Milliarden Euro \nk\u00f6nnte man also immerhin 10 Millionen Hartz 4-Empf\u00e4nger \u00fcber das Jahr \nbringen. Oder den ganzen deutschen Bergbau \u00fcber die n\u00e4chsten 30 Jahre.&nbsp; \nF\u00fcr das Geld, dass die Hypo pro Mitarbeiter kriegt, kann man immerhin 50\n Hartz 4- Empf\u00e4nger ein Leben lang bezahlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zugegeben: eine \nB\u00fcrgschaft ist jetzt keine richtige Ausgabe wie eine Subvention. Aber da\n h\u00e4tte ich eine Idee. Wir als Staat k\u00f6nnten doch auch einfach sagen: \nHartz 4 Empf\u00e4nger, wir geben euch das Geld nicht direkt, leiht euch doch\n das Geld von den Banken, und wir geben eine B\u00fcrgschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00fcrden \ndie Banken nicht machen, weil sie wissen: die B\u00fcrgschaft hat keinen \nechten Gegenwert. Erstaunlich: wir pumpen aber das Geld in die Hypo \nrein, und haben auch keinen Gegenwert.<\/p>\n\n\n\n<p>Stellen wir uns mal ganz \ndumm und sagen: wat is ne Weltwirtschaft? Da stellen wir uns mal vor: \nein Luftballon. Und den pumpen wir ganz doll auf. Pr\u00e4sident Bush hat \ndaf\u00fcr Dollar verwendet. Der hat Dollars vermehrt wie die Kaninchen auf \nseiner Ranch. Und dann ist da ein Loch. Da entweicht alles. Und weil da \nalles entweicht, pusten wir den Ballon weiter auf. Mit Dollars, Euros, \nPfunds und wie sie auch alle hei\u00dfen. Das macht jetzt nicht mehr der \nBush, sondern der Obama, die Merkel, der Sarkozy und so weiter. Einen \nBush kann man nicht so einfach ersetzen. Und irgendwann, wenn dann die \nPuste ausgeht&#8230; ich h\u00f6r mal lieber auf.<br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Josef Ackermann neulich hat gewarnt: wenn man die Boni nicht an die ganzen B\u00e4nker auszahlt, dann gehen die. Dann gehen die ins Ausland. Dann sind die nicht mehr da, um hier weiter Geld zu verbrennen, wenn es \u00fcberraschenderweise irgendwo wieder aufgetaucht ist. Wir fragen uns: wo ist der Nachteil? 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