{"id":353,"date":"2008-06-29T07:57:00","date_gmt":"2008-06-29T07:57:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.palandun.de\/?p=353"},"modified":"2020-02-29T07:57:40","modified_gmt":"2020-02-29T07:57:40","slug":"olympia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.palandun.de\/index.php\/2008\/06\/29\/olympia\/","title":{"rendered":"Olympia"},"content":{"rendered":"\n<p>\nEine der gr\u00f6\u00dften Peinlichkeiten f\u00fcr mich ist die politische \u201eOlympia \u2013 \nnat\u00fcrlich \u2013aber \u2013 weil die Chinesen\u201c-Show. Mein Vorschlag: s\u00e4mtliche \nPolitiker, die \u00fcberhaupt das Wort Boykott in den Mund nehmen \u2013 und sei \nes f\u00fcr den Satz \u201eEin Boykott kommt nicht in Frage\u201c sollten f\u00fcr 168 \nStunden auf ein Laufband gestellt werden. Und wenn sie hinten \nrunterrutschen, kriegen sie Stromst\u00f6sse, damit sie ja wieder aufs Band \nzur\u00fcckgehen. Klingt drastisch? Genau. Aber wie drastisch ist es, wenn \nsich Sportler, die 4 Jahre lang trainiert haben, um bei den olympischen \nSpielen dabei zu sein \u2013 geschweige denn zu gewinnen \u2013 darauf verzichten \nsollen, weil die Politik es in 50 Jahren nicht geschafft hat, vern\u00fcnftig\n mit China zu verhandeln. Klar: es ist toll, wenn die Sportler es \nmachen, das hat Symbolcharakter. Da sind im Gegensatz zur Politik viele \nLeute dabei, die man noch ernst nehmen kann \u2013 und nach dem Abtritt von \nBoris Becker hat die Zahl der nicht ernst zu nehmenden stark \nnachgelassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich finde es aber sch\u00f6n, dass man nach so langer \nZeit entdeckt hat, dass Tibet nicht frei ist. Mal gucken, wie lange es \ndauert, um das wieder zu vergessen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wirkt ein bisschen so, als\n h\u00e4tten die olympischen Funktion\u00e4re etwas zu einfach gedacht. \u201eWenn der \nolympische Geist einmal durchs Land weht, werden \nMenschenrechtsverletzungen und Unterdr\u00fcckung davon geweht.\u201c Die Hoffnung\n war, dass China bis zu Start der Olympischen Spiele ungef\u00e4hr auf dem \ngleichen Stand sei bzgl. Meinungsfreiheit und Menschenrechtseinhaltung \nwie eines der gro\u00dfen demokratischen L\u00e4nder. Sagen wir mal die USA.<\/p>\n\n\n\n<p>Hmm,\n wenn man mal Guantanamo und den Hang zur Zensur betrachtet, dann hat \nsich seit der Vergabe der Spiele tats\u00e4chlich die USA ein bisschen an \nChina angen\u00e4hert.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ganze ist aber auch zu einfach gedacht: um \nso was ging es ja nicht, bei Olympia z\u00e4hlt nur die Kohle. Statt \u201eh\u00f6her, \nweiter, schneller\u201c hei\u00dft das Motto \u201eimmer mehr, immer reicher, immer \nkommerzieller\u201c. Demn\u00e4chst werden auch die Medaillen auf der R\u00fcckseite \ndas Emblem eines Sponsors tragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sponsoren haben jetzt aber \nein kleines Problem: McDonalds, Coca-Cola , Visa und Adidas k\u00f6nnten eher\n Absatzprobleme bekommen \u2013 man muss ja als Betroffener Unbetroffener \nB\u00fcrger ein Zeichen setzen \u2013 als jeder chinesische Billighersteller. Das \nist aber richtig: die 1-Euro-L\u00e4den, die Superm\u00e4rkte und Discountl\u00e4den, \nin denen die chinesische Ware bei uns verkauft wird, wernen nicht f\u00fcr \nOlympia, und Olympia unterdr\u00fcckt ja bekanntlicherweise Tibet. Oder so \n\u00e4hnlich. Vielleicht kann man noch mit positiver Werbung dagegen halten: \nf\u00fcr jeden Kasten Coca-Cola, den sie kaufen, wird ein chinesischer \nDissident freigelassen. Oder McDonalds k\u00f6nnte bei Gewinnspielen statt \nAutos oder Traumh\u00e4user einfach mal eine Reise nach Tibet ausloben. \nAusgeschlossen sind wie immer Mitarbeiter, Mitarbeiter angeschlossener \nUnternehmen und zus\u00e4tzlich Exil-Chinesen. Sowie alle Leute mit einer \nfreien Meinung.<\/p>\n\n\n\n<p>Tibet: das ist jetzt das ultimative Land, das die\n Freiheit braucht. Bitte nicht falsch verstehen: ich bin ja gl\u00fccklich \n\u00fcber jeden, der die Einhaltung der Menschenrechte in Tibet einfordert. \nAber bei den meisten, die jetzt Tibet-Fahnen schwenken und ihre \nAbneigung gegen\u00fcber China erkl\u00e4ren vermute ich, dass \u00fcber die H\u00e4upter \ndas wundersame Gemisch aus Dummheit und Ignoranz schwebt, dass Helmut \nKohl seine glorreichsten Zeiten bescherte. Ich bef\u00fcrchte, wenn ein \nReporter mal nachfragen w\u00fcrde, wo Tibet liegt, w\u00fcrden 50% der Befragten \neine N\u00e4he zu S\u00fcdafrika oder zum Nordpol vermuten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, der Dalai \nLama ist cool und nett. Aber: Demokrat ist er auch nicht. Und seine \nVorg\u00e4nger waren auch nicht alle nett. Wer folgt ihm nach, wenn er mal \nwiedergeboren wird? Ja, es gibt eine Menge Tibeter, die lieber \nunabh\u00e4ngig von China w\u00e4ren. Es wird aber genauso welche geben, die das \nnicht wollen. Wahrscheinlich ein paar weniger. Ich bin ja auch daf\u00fcr, \ndie IRA und die baskischen Separatisten zu unterst\u00fctzen. Sie nicht? Gut \nich zwar auch nicht, aber vielleicht wird Ihnen mal klar: es ist nicht \nso einfach, wie es sich anh\u00f6rt. Das Kosovo ist jetzt unabh\u00e4ngig, aber \ndie im Kosovo lebenden Serben leiden zum gr\u00f6\u00dften Teil drunter, und das \nsind nicht alles Arschl\u00f6cher, nur weil sie Serben sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Die einzige L\u00f6sung w\u00e4re vielleicht mal die Grenzen abzuschaffen \u2013 man schafft aber noch nicht mal die im Kopf.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht\n k\u00f6nnte man auch unsere Reiseministerin Merkel und ihren Tross nehmen \nund als lebendige Mauer vor die Tibeter stellen. Da braucht sie \u2013 wie \nsonst auch \u2013 nix zu tun, sieht gut aus und erf\u00fcllt auch noch einen \nZweck.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gilt momentan als ungemein schicklich, Proteste w\u00e4hrend\n des Fackellaufs abzuhalten. Mein Tipp: verzichtet lieber mal im \nSupermarkt, bei ToysRUs oder wo auch immer chinesisches Spielzeug zu \nkaufen, das trifft Chinas F\u00fchrung viel h\u00e4rter. Ach ne, das geht ja \nnicht: das ist doch so sch\u00f6n billig.<\/p>\n\n\n\n<p>Und noch eins Leute: die \nMenschen, die jetzt die Fackel durch die Gegend tragen, haben h\u00e4ufig \nnoch mehr als 4 Jahre darauf gewartet, das einmal im Leben machen zu \nd\u00fcrfen. Die laufen nicht f\u00fcr die Chinesen, die laufen, weil sie noch an \netwas glauben. Jeder, der meint mit Gewalt gegen die Fackel oder ihre \nTr\u00e4ger vorgehen zu m\u00fcssen, ist auch nicht besser als die Chinesen. Mal \nabgesehen davon, dass die Bilder von der Gewalt von den Chinesen \nhemmungslos ausgeschlachtet werden und den Hass auf das Ausland und auf \nTibet noch verst\u00e4rken: nichts ist f\u00fcr den Chinesen schlimmer als das \nGesicht zu verlieren, und dass tut Olympia-China halt dabei.<\/p>\n\n\n\n<p>Wobei\n mit \u201edie Chinesen\u201c nat\u00fcrlich immer nur deren Spitze gemeint ist. Und \ninsofern ist China eigentlich genauso weit wie Deutschland: wenn Staaten\n Lebewesen w\u00e4ren, w\u00e4ren sie biologisch gesehen totaler Humbug. Es gibt \nin der Natur meines Wissens nach kein Tier, das die erste Regel f\u00fcr \njeden Staat erf\u00fcllt: der Arsch ist oben.\n\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine der gr\u00f6\u00dften Peinlichkeiten f\u00fcr mich ist die politische \u201eOlympia \u2013 nat\u00fcrlich \u2013aber \u2013 weil die Chinesen\u201c-Show. Mein Vorschlag: s\u00e4mtliche Politiker, die \u00fcberhaupt das Wort Boykott in den Mund nehmen \u2013 und sei es f\u00fcr den Satz \u201eEin Boykott kommt nicht in Frage\u201c sollten f\u00fcr 168 Stunden auf ein Laufband gestellt werden. 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