{"id":387,"date":"2009-07-12T08:09:02","date_gmt":"2009-07-12T08:09:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.palandun.de\/?p=387"},"modified":"2020-02-29T08:09:33","modified_gmt":"2020-02-29T08:09:33","slug":"und-wieder-mal-ein-paar-peanuts-oder-schizophrenie-im-modernen-managertum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.palandun.de\/index.php\/2009\/07\/12\/und-wieder-mal-ein-paar-peanuts-oder-schizophrenie-im-modernen-managertum\/","title":{"rendered":"und wieder mal ein paar Peanuts &#8211; oder: Schizophrenie im modernen Managertum"},"content":{"rendered":"\n<p>\n500000 Euro darf ein Bankvorstand verdienen, wenn seine Bank unter den \nRettungsschirm schl\u00fcpft. 500000 Euro \u2013 das ist nicht viel f\u00fcr \nBankvorst\u00e4nde. F\u00fcr Kinderg\u00e4rtnerinnen reicht es locker: den Lohn von 10 \nKinderg\u00e4rtnerinnen kann man da leicht \u00fcbernehmen, das reicht f\u00fcr einen \nkleinen Kindergarten und ein Normalb\u00fcrger h\u00e4tte auch noch genug zum \nLeben.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den Chef der HSH Nordbank, Herrn Nonnenmacher , reicht\n das aber nicht, der kriegt dann doch ein bisschen mehr. Das l\u00e4sst sich \naber leicht begr\u00fcnden, zumindest f\u00fcr den Aufsichtsratchef Hilmar Kopper.\n Und wie lautet die stichhaltige Begr\u00fcndung? Er hat nach den Wegg\u00e4ngen \nmehrerer Vorst\u00e4nde neben der T\u00e4tigkeit als Vorstandsvorsitzender auch \nderen Ressorts kommissarisch \u00fcbernommen. Wenn man also mehrere \nVorstandsposten auf einmal einnimmt, darf man mehr kassieren. Da es um \neine Einmalzahlung von 1,4 Millionen ging (die Rentenzahlung von 1,5 \nMillionen unterschlagen wir mal \u2013 unterschlagen passt glaube ich nicht \nschlecht in den Bankenkontext), da es also um 1,4 Millionen ging \nzus\u00e4tzlich zum eigenen Gehalt, m\u00fcssen es noch 3 Posten mehr gewesen \nsein. Laut Zeitung waren es \u00fcbrigens tats\u00e4chlich 4 Posten, die er \ngleichzeitig aus\u00fcbte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bank hat \u00fcbrigens 3 Milliarden gekriegt\n als Kapitalspritze von Hamburg und Schleswig-Holstein bekommen. 1,4 \nMillionen sind damit gerade mal 0,5 Promille, das reicht noch nicht mal \nf\u00fcr einen F\u00fchrerscheinentzug oder einen Vorstandspfostenentzug. \nErstaunlich, dass Hilmar Kopper nicht mal wieder gesagt hat, das seien \nja Peanuts.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt kann man mal rechnen: nehmen wir einfach mal \nan, dass&nbsp; Bankenvorstand ein Vollzeitposten ist, dann sollte er nominell\n auf 40 Stunden kommen. Eine k\u00fcrzlich durchgef\u00fchrte Befragung besagt, \ndass normale Angestellte mit nominell 40 Stunden durchschnittlich auf 43\n Stunden Arbeit pro Woche kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Herr Nonnenmacher also 4 \nPosten auf einmal hat, dann muss er 172 Stunden pro Woche arbeiten \u2013 \nnicht schlecht, da die normale Woche nur 168 Stunden hat. Bei der \nUmstellung auf Winterzeit immerhin 169 Stunden. Aber: die Rechnung \nstimmt nat\u00fcrlich nicht. Der normale Angestellte hat 6 Wochen Urlaub und 1\n Woche f\u00e4llt noch durch Feiertage aus. Wenn Herr Nonnenmacher auf diese 7\n Wochen verzichtet, dann muss er tats\u00e4chlich nur noch 149 Stunden pro \nWoche arbeiten. Das hei\u00dft es bleiben sage und schreibe 19 Stunden f\u00fcr \nSchlafen, Z\u00e4hneputzen, Essen und sonstige private Dinge \u00fcbrig. Wobei \ndiese Herren ja meistens auf Kosten das Gesch\u00e4fts essen, deswegen nennt \nman das Gesch\u00e4ftsessen. Wenn man jetzt das Z\u00e4hneputzen einfach mal \nausl\u00e4sst, dann kann er die 19 Stunden in Schlaf investieren, dass sind \nbeinahe 3 Stunden t\u00e4glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine andere Studie, die schon etwas \n\u00e4lter ist, besagt aber, dass Hirnsch\u00e4digungen auftreten, wenn man \u00fcber \nl\u00e4ngere Zeit auf weniger als durchschnittlich viereinhalb Stunden Schlaf\n kommt. Klingt erschreckend, ist es nicht. Schon seit langem wird \nvermutet, dass Hirnsch\u00e4digungen kein Grund sind, Vorstandsposten nicht \nanzutreten.<\/p>\n\n\n\n<p>Und eins ist absolut positiv: wenn er \u2013 und das \nsollte er \u2013 die 19 Stunden wirklich zum Schlafen benutzt, hat er keine \nZeit mehr f\u00fcr Sex und erspart uns die weitere Anwesenheit von \nBankmanager-Genen im Genpool. Das soll uns die l\u00e4cherlichen 1,4 \nMillionen doch wert sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht kann man auch die Begr\u00fcndung\n \u00fcbernehmen. Ein bisschen Pers\u00f6nlichkeitsspaltung von einem befreundeten\n Psychologen best\u00e4tigen lassen, und schon kann man in seiner \nSteuererkl\u00e4rung angeben, dass man ja eigentlich nicht einer sondern \nzwei, drei oder vier Personen ist. Die Lohnsteuer d\u00fcrften dann kein \nProblem mehr sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Oder die Kinderg\u00e4rtnerin. Eine deutsche Frau \nhat eine Geburtsrate von 1,3 Kindern. Gut das schwankt, je nachdem ob \nman die Akademiker-Zuchtpr\u00e4mie gut oder schlecht rechnen will. Eine \nKinderg\u00e4rtnerin, die f\u00fcr 10 Kinder zust\u00e4ndig ist, macht also das gleiche\n wie ungef\u00e4hr 8 deutsche erziehende Frauen. 10 Kinder \u2013 bitte nicht \ntr\u00e4umen, die meisten m\u00fcssen sich um mehr k\u00fcmmern. Jetzt ist das \nnat\u00fcrlich schlecht gegen\u00fcberzustellen: wie viel verdient eine deutsche \nFrau? Wenn sie alleinerziehend ist, dann h\u00e4ufig nix, denn dann kann sie \naufgrund unflexibler Arbeitgeber von 350 Euro Hartz 4-Regelsatz leben \nplus Wohnungsgeld. Dann m\u00fcsste also eine Erzieherin 2800 Euro netto plus\n Wohngeld kriegen. Damit w\u00fcrden s\u00e4mtliche Streiks glaube ich ad acta \ngelegt werden&#8230;\n\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>500000 Euro darf ein Bankvorstand verdienen, wenn seine Bank unter den Rettungsschirm schl\u00fcpft. 500000 Euro \u2013 das ist nicht viel f\u00fcr Bankvorst\u00e4nde. F\u00fcr Kinderg\u00e4rtnerinnen reicht es locker: den Lohn von 10 Kinderg\u00e4rtnerinnen kann man da leicht \u00fcbernehmen, das reicht f\u00fcr einen kleinen Kindergarten und ein Normalb\u00fcrger h\u00e4tte auch noch genug zum Leben. 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