{"id":769,"date":"2010-04-13T21:35:00","date_gmt":"2010-04-13T21:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.palandun.de\/?p=769"},"modified":"2020-02-29T21:36:29","modified_gmt":"2020-02-29T21:36:29","slug":"einfach-mal-schwimmen-gehen-von-corinna-vanvlodorp","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.palandun.de\/index.php\/2010\/04\/13\/einfach-mal-schwimmen-gehen-von-corinna-vanvlodorp\/","title":{"rendered":"Einfach mal schwimmen gehen (von Corinna Vanvlodorp)"},"content":{"rendered":"\n<p>\nBekannter Massen ist es im Schwimmbad ja \u00fcblich sich zu entkleiden, in \nSchwimm- bzw. Badesachen zu schl\u00fcpfen \u2013 oder quetschen \u2013 je nach Figur, \nden \u00fcberz\u00e4hligen Kram irgendwie in einen Schrank zu stopfen, jenen dann \nabzuschliessen und den mit einem B\u00e4ndchen versehenen Schl\u00fcssel am \nHandgelenk mit sich herum zu tragen. Der dient dann zum Beispiel als \nPfand, falls man irgendwelche Dinge wie B\u00e4lle, Schwimmflossen, Brillen \noder \u00e4hnliches ausleihen will und wird bei der sportlichen Leitung \nabgegeben. &nbsp;<br>Soweit so gut.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun geht also die enthusiastische \nMutter mit ihrem begeisterten Dreij\u00e4hrigen zum dort wartenden Gro\u00dfen ins\n Schwimmbad. Der Kleine ist hoch motiviert und innerhalb von wenigen \nSekunden bereits ausgezogen. Seine Kleidung hat er optimal auf zwei bis \ndrei Quadratmeter unterschiedlicher H\u00f6he verteilt und w\u00e4hrend Mama noch \nin Socken und sonst nackig versucht den Badeanzug auf&nbsp; Rechts zu drehen \u2013\n immerhin war es das letzte Mal ziemlich peinlich unter der Dusche, hat \nder begeistere Nachwuchs bereits das T\u00fcrschloss entriegelt um hinfort in\n den Gang Richtung Schwimmbad zu st\u00fcrmen. Mama schafft es dann auch mit \nHilfe der alten Yoga Technik des von hinten um die Ecke biegenden Arms \nden Spr\u00f6ssling einzufangen und ihn von drei weiteren Minuten Wartezeit \nzu \u00fcberzeugen \u2013 diesmal ohne Lecker \u2013 quetscht sich in den Anzug \u2013 ist \ndoch egal wie `rum man den anhat und \u2013 erstarrt aber nur f\u00fcr einen \nMoment.<br>Aah! Unrasierte Achseln. Das geht gar nicht. Soviel zum \nThema: Jaja, mach ich sp\u00e4ter. &#8211; Gut, das ist auch anderen schon \npassiert, aber man kann sich ja jetzt schlecht ein Schild umh\u00e4ngen \u2013 \n\u201eSorry, die Kinder haben meinen Rasierschaum leer gemacht \u2013 bitte \nweggucken!\u201c Und wieder gehen geht auch nicht, weil ja der Bademeister \nnetter&nbsp; Weise auf den Grossen aufpasst und man den Kleinen sowieso nur \nzur\u00fcck in seine Klamotten bekommt, wenn man ihm H\u00e4nde und F\u00fcsse auf den \nR\u00fccken bindet.<br>Also, immer freundlich l\u00e4cheln, die Arme nicht \u00fcber \ndie Schultern heben beim Winken und so schnell wie m\u00f6glich in Brust \nhohem Wasser verschwinden. Gesagt, getan.<br>In den verbliebenen \u201eIch \nbin ein friedliches Kind\u201c Sekunden wird die Gesamtheit der Klamotten \nohne weiteres Nachdenken zu mehreren gro\u00dfen B\u00e4llen gekn\u00fcllt und samt \nSchuhen so in den Schrank gestopft, dass einem nachher beim \u00d6ffnen die \nKindersachen zuerst entgegen springen.&nbsp; Geld einwerfen, T\u00fcr andr\u00fccken,&nbsp; \nSchl\u00fcssel umdrehen. Schrank zu. Mist. Eintrittskarte vergessen \u2013 und \nJacke \u2013 und Handt\u00fccher. Schrank auf, Klamotten fangen, Handt\u00fccher \nrausholen, Eintrittskarte und Jacke reinstopfen, Geld einwerfen, T\u00fcr \nandr\u00fccken \u2013 jetzt fester, Schl\u00fcssel umdrehen. Schrank zu. Schl\u00fcssel \nabziehen.<br>Mist. Kind verfolgen.<br>Unter lauten Rufen: \u201eNicht \nrennen!\u201c in schnellem Schritt wird, ohne auszugleiten die Verfolgung \naufgenommen. Vielleicht f\u00e4ngt man den Kleinen ja noch vor der Dusche. \nHa! Behindertengerechte T\u00fcr mit Selbst\u00f6ffnungsmechanismus. Super. Noch \nein Kurzstreckenspurt und geschnappt.<br>Mama nun ganz in ihrem \nSportlichen Element pfeffert alles was in ihren H\u00e4nden ist \u2013 ausser \nDuschzeug und Kind in eines der Regalf\u00e4cher und geht dann unter grossem \nHallo in die abschliessbare Dusche. Immerhin hat der Kleine auf dem Weg \nzum Schwimmbad mindestens zweimal angehalten, um Erdklumpen zu suchen \nund auch sonst weist die Hautfarbe auf einen sehr aktiven Nachmittag \nhin. Endlich, nach einiger Zeit des mannhaften Protestes kommt \ntats\u00e4chlich eine entspannte Mutter mit einem rosigen Kind zum Vorschein \nund wird mit seltsamem Augenaufschlag von zwei Teenagern gemustert, die \ndanach vielsagende Blicke wechseln, bevor sie selbst in der Dusche \nverschwinden.<br>Der Badeanzug. Nein. Der ist richtig rum. Also rechts \nist rechts ist rechts und vorne und hinten sind bei diesem Modell&#8230; Oh \nnein \u2013 die Achselhaare. Nichts wie ins Wasser.<br>Sie schnappt sich \nHandt\u00fccher und Duschzeug, um sie zum n\u00e4chsten Regal zu tragen, bl\u00e4st die\n Schwimmfl\u00fcgel auf und l\u00e4sst sich schlie\u00dflich, samt Kind ins Wasser \ngleiten.<br>Gestoppte Zeit: 30 Sekunden.<br>Jetzt kommt der entspannte \nTeil. Schwimmen, mit dem Kleinen sch\u00e4kern, heimlich versuchen allen \nanderen Frauen unter die Arme zu gucken, um sich nicht so alleine zu \nf\u00fchlen.<br>Mist, man sieht die Achseln gar nicht. Nur die Unterarme mit dem Schl\u00fcssel.<br>Der Schl\u00fcssel.<br>Ja,\n den hatten wir eben noch. Also irgendwo hatten wir den doch. Doch bei \nden Handt\u00fcchern. Also in der Hand. Da war ja dieser Gedanke, dass man \nihn vielleicht sinnvoller Weise an den Arm machen k\u00f6nnte \u2013 immerhin ist \ner ja daf\u00fcr da. So mit dem Band und so.<br>Gut, jetzt ist er weg. Und \nder Kleine will rutschen. Gehen wir also auf dem Weg zur Rutsche doch \nmal eben am Duschen-Regal vorbei und hohlen ihn uns.<br>Soweit so gut.<br>Das\n Kind auf den R\u00fccken gepackt, es schreit auch weiter: \u201eIch will \nrutschen.\u201c Geht es also unter gutem Zureden erstmal kurz zur Dusche. \u201eJa\n Schatz, gleich, wir holen nur eben den Schl\u00fcssel.\u201c<br>Hm. Kein \nSchl\u00fcssel da. Bestimmt im andern Regal. Er steckte ja zwischen den \nHandt\u00fcchern. Also nochmal an der Rutsche vorbei \u201eIch will rutschen!\u201c zum\n anderen Regal. Handt\u00fccher raus nehmen, kein Schl\u00fcssel. Handt\u00fccher \nausrollen. \u201eIch will rutschen!\u201c. Immer noch kein Schl\u00fcssel. Duschzeug \nrausnehmen. \u201eIch will nicht duschen!\u201c. Aber der Schl\u00fcssel bleibt \nverschwunden.<br>Also. Kind auf dem R\u00fccken lassen, nach vorne zur \nSportlichen Leitung marschieren. \u201eNein! Die Rutsche ist da!\u201c &#8211; \u201eJa, \nSchatz, Mama muss nur noch eben&#8230;\u201c &#8211; \u201eIch will rutschen!\u201c<br>\u201eHallo, ist hier ein Schl\u00fcssel abgegeben worden?\u201c &#8211;&nbsp; \u201eWelche Nummer hat der denn?\u201c<br>Hm.\n Woher soll ich das wissen, wer guckt denn da drauf, man hat ihn ja am \nArm. Also gut, ich jetzt gerade nicht, aber&#8230;. &#8211; \u201eIrgendwas mit 220 \noder so.<br>Begeisterte Blicke. Das System baut darauf auf dass man \nkeine universellen Schl\u00fcssel verwendet, sondern es einfach f\u00fcr jedes \nSchloss an jedem Schrank ein Schl\u00fcssel-Duplikat gibt. Genau eins.<br>\u201eIch kann den Schrank zeigen!\u201c (Glaube ich.) Und der Bademeister glaubt`s auch.<br>Wir\n versammeln uns also vor den Schr\u00e4nken. Die nette Frau, die hier sauber \nmacht, ist auch gleich mal mitgekommen zum helfen. Welcher Schrank war \nes denn jetzt. 223. Ganz sicher? Ganz sicher.<br>Also naja. Ziemlich. So sicher man halt sein kann. Gut sie sehen sich ja alle so`n bi\u00dfchen \u00e4hnlich.<br>Der\n freundliche Bademeister erkl\u00e4rt mit einem ersch\u00f6pften L\u00e4cheln, er werde\n dann auch die Schl\u00fcssel der benachbarten Schr\u00e4nke mal mitbringen. Also \n223. W\u00e4hrend der freundliche Bademeister auf Schl\u00fcsselsuche geht wird \ndie hilfbereite Dame vom Reinigungsteam in das wahre Geheimnis der \nZerstreutheit eingeweiht. \u201eIch will rutschen!\u201c Auch der kritische Blick \nder M\u00e4dchen wird zum Thema.<br>Da Frau an sich ja nie wei\u00df, Frau vom \nReinigungsteam aber so einiges erz\u00e4hlen k\u00f6nnte, \u00fcber das man im weiteren\n gar nicht nachdenken m\u00f6chte, werden nun erstmal bei abgesetztem Kind \n\u201eMama mir ist kalt!\u201c alle unverschlossenen Schr\u00e4nke auf dort deponierte \nKleider untersucht. Erfolglos. Der Bademeister ist inzwischen auch \nzur\u00fcck gekehrt und schlie\u00dft das beanspruchte Fach auf. Das ist voll \nhineingequetschter Sachen, auch Schuhe, leider Gr\u00f6sse 48 und grau. \nFalsches Fach. Wir gehen erneut auf Suche. Jetzt kommt eigentlich nur \nnoch die 225 in Frage. Mist \u2013 falscher Schl\u00fcssel. Der&nbsp; Bademeister geht \nnochmal los. Die Zur\u00fcckgebliebenen \u00fcberpr\u00fcfen die F\u00e4cher ab 300. \u201eMama \nich will nicht nach Hause.\u201c<br>Doch das Schicksal ist gn\u00e4dig. Der \nBademeister ist schnell zur\u00fcck und verk\u00fcndet freundlich 225 scheine das \nrichtige Fach zu sein. Immerhin ist er von Kindersachen angesprungen \nworden die jetzt mit derselben liebevollen Geste wie vor 20 Minuten in \nFach 227 eine neue Bleibe finden. Ebenso wie der restliche Krempel. Zwar\n bleibt die Ermahnung, dass, sollte der Schl\u00fcssel verloren bleiben 50 \nEuro Kosten f\u00fcr die Verliererin des Tages zur\u00fcck bleiben, allerdings \nenth\u00e4lt die Jeans neben allen Ausweisen auch so viel Haushaltsgeld, dass\n man davon durchaus noch drei weitere Schl\u00fcssel h\u00e4tte in den Gulli \nwerfen k\u00f6nnen. Also werden beide F\u00e4cher wieder abgeschlossen, Schl\u00fcssel \n227 ausgeh\u00e4ndigt und angezogen und endlich kann der Gang zur Rutsche \nangetreten werden.<br>Der Grosse hat im \u00dcbrigen in der Zwischenzeit \nunter Aufsicht alle Badeg\u00e4ste zweimal gez\u00e4hlt und zwar nach Becken \nsortiert und in der Gesamtheit, einer Bademeisterin schwarze Streifen \naufs T-Shirt gemalt, einen Apfel und eine ganze Brezel verdr\u00fcckt.<br>Das Schwimmen geht in die zweite Runde. Achselhaare sind l\u00e4ngst Nebensache geworden.<br>Tats\u00e4chlich\n tauchen dann auch die beiden Teenies aus der Dusche wieder auf, die auf\n Nachfrage dann auch wirklich nicht nur die Schl\u00fcsselnummer wissen, \ndenselben dann aush\u00e4ndigen \u2013 sie hatten ihn in die Tasche gesteckt und \u2013\n wie sie sagen, f\u00fcr ihren eigenen gehalten.<br>Ende gut, alles gut.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun\n mit zwei Schl\u00fcsseln ausgestattet, wird noch ein solider \nzweieinhalbst\u00fcndiger Schwimmnachmittag daraus. Mit viel Spass auf allen \nSeiten und ausreichender Rutschenbenutztung. Am Ende wird hektisch \ngeduscht.<br>Mama geht auch noch mal den Schl\u00fcssel holen, jetzt 227, der\n war ja als Pfand bei der Sportlichen Leitung verblieben, im Gegenzug \ngegen eine Schwimmnudel&#8230;.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo war der nochmal zuletzt, im \nHandtuch, als der Kleine aus dem zu tiefen Becken gefischt werden muss, \ner hat jetzt gar keine Angst mehr&#8230;<br>Kinder unter die Dusche \ngesteckt. Bei den Damenduschen kann man einen Rundlauf unter \nverschiedenen Temperaturen machen und gro\u00dfes Geschrei veranstalten. So \nweiss man immer wo die Kinder sind. Ist ein Selbstl\u00e4ufer.<br>Handtuch \ngesucht, genommen, ausgesch\u00fcttelt,&nbsp; in Panik geraten, zur Badeliege \ngerannt (Ja- man darf im Schwimmbad nicht rennen!) Schl\u00fcssel gefunden \nund nicht mehr losgelassen, bis die Gesamtfamilie 30 Minuten sp\u00e4ter \nunter viel Geschrei und Pallaver, der Benutzung von 3 Umkleidekabinen \nund allen in die man von da aus kriechen kann, 2 Schr\u00e4nken, 2 F\u00f6hns, 47 \nPapierhandt\u00fcchern und einer Flasche Apfelschorle m\u00fcde aber gut gelaunt \ndas Schwimmbad verl\u00e4sst.&nbsp;<br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bekannter Massen ist es im Schwimmbad ja \u00fcblich sich zu entkleiden, in Schwimm- bzw. 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