{"id":97,"date":"1993-03-22T20:00:00","date_gmt":"1993-03-22T20:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.palandun.de\/?p=97"},"modified":"2020-02-26T20:11:48","modified_gmt":"2020-02-26T20:11:48","slug":"der-kuss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.palandun.de\/index.php\/1993\/03\/22\/der-kuss\/","title":{"rendered":"Der Ku\u00df"},"content":{"rendered":"\n<p> Sie stand da wie ein heller Schein, ein \u00fcberirdisches Wesen im Glanze  der roten, untergehenden Sonne, ein Engel ohne Fl\u00fcgel. Als er sie sah,  entfachte sie eine Flamme in seinem Herzen, und sie sch\u00fcrte die Glut  seiner Gef\u00fclle durch einen einzigen Blick. Sehns\u00fcchtig starrte er sie  an, die G\u00f6ttin der allumfassenden Liebe, die Gespielin seiner W\u00fcnsche.<br> <br> Zwei Finger legte sie an ihre bla\u00dfroten Lippen, die sie dann nach vorne  spreizte, sie hauchte ihm einen unsichtbaren Boten ihrer Gef\u00fchle zu. Sie  lockte ihn mit ihrem Sein, dem Spiel ihrer langen Haare, mit dem, das  von dem blauen Tuche bedeckt war, dem Tuche von der Farbe des Meeres,  dessen rauschende Wellen vergeblich gegen das Ufer ank\u00e4mpften; doch so  laut wie der Kampf des Wassers mit der Erde tobte in ihm das gierige  Verlangen, hinter dem alles andere so verschwand wie die Sonne hinter  dem Horizont.<br> <br> Seine Beine, so schwach sie sich auch anf\u00fchlen mochten, wurden getrieben  von seinem unb\u00e4ndigen Wunsch, so da\u00df er zu schweben meinte, je n\u00e4her er  ihr kam, leicht wie ein Feder, getragen vom Lufthauch der Ekstase. Und  sie stand und wartete, sich nicht bewegend und doch wiegend im sanften  Rausch des frischen, den Geruch des Meeres bringenden Windes. Und der  schmachtende Blick ihre sanften, blauen Augen ruhte auf seinem Kommen,  und die Hoffnung ging seinem Kommen voraus.<br> <br> N\u00e4her und noch n\u00e4her kam er, und je weniger sie trennte, desto hitziger  wurde sein K\u00f6rper, gew\u00e4rmt von nicht zu bezwingbarer Freude. Nur vage  vernahm er, wie sie ihre zarten Arme ihm entgegenstreckte, wie ihre  langen schlanken Finger die seinen ber\u00fchrten. Er nahm ihre rechte an  seinen Mund, senkte seine Lippen auf die zarte, bla\u00dfe Haut, zu einer  kurzen, aber intensiven Ber\u00fchrung. Rauh wirkte seine Zunge, als sie, nur  leicht zwischen den Lippen hervorgestreckt, an ihre Hand  hervorwanderte, aufw\u00e4rts an ihrem zarten, haarlosen Arm. Und doch war  es, als d\u00fcrstete die Haut nach seiner Tun.<br> <br> Heran zog er sie dabei, und ihr K\u00f6rper schmiegte sich an den seinen,  w\u00e4hrend sein Mund auf ihrer Schulter verharrte. Geschickte l\u00f6ste er das  Tuch mit seiner Linken, noch immer ihre rechte, die schlanken, eleganten  Finger leicht umfassend. Doch dann gab er sie frei. Langsam und sanft  schob er ihre Haare von der rechten Schulter, ihre langen, wilden Haare,  die wie wei\u00dfe Wellen \u00fcber die schm\u00e4chtigen Schultern herabliefen, und  den wei\u00dfen R\u00fccken entlang, doch auch \u00fcber ihre Br\u00fcste, bis tief herab in  ihre Taille, wo das wilde Spiel der Str\u00e4hnen endete.<br> <br> Mit einem tiefen St\u00f6hnen bi\u00df er z\u00e4rtlich in ihre Schulter, versenkte  sanft seine Z\u00e4hne in das zarte Fleisch, w\u00e4hrend sie sich willig an ihn  legte, mit leichten Bewegungen ihres K\u00f6rpers \u00fcber seine Haut rieb.<br> <br> Ihre bla\u00dfen, hellblauen Augen kreuzten ihren Blick mit dem seinen, um  mit verlangender Gier zu verschwimmen. Unter seinen keuchenden Atemz\u00fcgen  presste er ungest\u00fcm und wild seine Lippen auf die ihren, er sp\u00fcrte, wie  die weichen, zartrosanen R\u00e4nder ihrer Lust, die mit dem leicht salzigen  Geschmack des Meeres benetzt waren, an seinen saugten.<br> <br> An seinm Oberk\u00f6rper sp\u00fcrte er den Druck der kleinen, runden, doch  spitzen Br\u00fcste. Die kurze Perlenkette, um ihren Hals gelegt, verbla\u00dfend  vor ihrer eigenen Sch\u00f6nheit, wurde an seine starke Brust gedr\u00fcckt. Ihr  schmaler Oberk\u00f6rper presste sich an den seinen, der gierte nach dem  Genu\u00df. Das heftige Pochen ihres kleinen Herzes vereinte sich in einer  Symphonie der Lust mit dem gewaltigen Schlag seines Herzens.<br> <br> W\u00e4hrend sie geschickt und z\u00e4rtlich mit ihren schmalen Fingern in seinen  dicken Haaren spielte, drang seine Lippe langsam in ihren kleinen Mund  vor. Na\u00df war die Ber\u00fchrung ihrer kurzen Zunge, als sie mit der seinen  einen Tanz veranstaltete. Sie lockte, immer wieder und immer kurz, sie  ber\u00fchrte geschwindt, und zog sich zur\u00fcck; seine Zunge folgte ihr  schnell, suchend in der H\u00f6hle der Liebe.<br> Seine H\u00e4nde wanderten langsam an ihrem K\u00f6rper, f\u00fchlend die sanfte Haut,  zart wie die Schale eines der goldenen Apfel aus dem Garten der G\u00f6tter,  nicht zu straff, doch genauso wenig faltig und schrumpelig, genau  richtig f\u00fcr das Verlangen des Mannes. Klobig und ungeschickt kamen ihm  seine H\u00e4nde vor, mit zu vielen Schwielen versehen, jede einzelne zuviel  f\u00fcpr die Ber\u00fchrung dieses zarten Gesch\u00f6pfes. Er grub sich in ihr Haar,  in das weiche Neste, er ber\u00fchrte ihre eleganten Ohren, ungeschm\u00fcckt,  nicht durchsto\u00dfen, denn kein Juwel der Welt h\u00e4tte ihre Sch\u00f6nheit noch  steigern k\u00f6nnen.<br> <br> Seine Zunge versank in der hinter ihren saugenden Lippen, so taten es  seine Gedanken, die in der Ekstase der Liebe undtergingen. Er f\u00fchlte  Bewegung in seiner Hose, doch dann zog sie diese schnell und bestimmt  herab. Sein Glied erhob sich, es kreiste vor ihr wie eine Hornisse vor  dem Einflug in ihr warmes Nest.<br> <br> Seine H\u00e4nde spielten mit ihren samtenen Str\u00e4hnen, w\u00e4hrend sie mit ihren H\u00e4nden wundersame Dinge tat.<br> Es war, als w\u00fcrde die ganze Lust der Welt in ihnen liegen, in ihm und  ihr, seiner G\u00f6ttin der Liebe. Langsam schwand sein Atem, so andauernd  dieser Ku\u00df doch war. Doch mochte er seine Lippen nicht l\u00f6sen von den  ihren, als w\u00e4ren sie verwachsen, als w\u00e4ren sie zu einem ganzen  verschmolzen. Der Geschmack des Meeres lag auf seiner Zunge, er s\u00fcrute,  wie sein Mund na\u00df wurde und salzig. Er wollte seine Lippe von der ihren  rei\u00dfen, doch der Sog ihres Mundes war zu stark.<br> <br> Sein Schrei erstickte in ihrem Mund, beraubt der n\u00f6tigen Luft. Kaltes  Wasser ran seine Kehle herab, der Geschmack des Todes ersetzt durch den  des Salzes. Seien Augen \u00f6ffneten sich weit vor Schreck, und aus n\u00e4chster  Entfernung starrte er auf die ihren, nun eisig und stechend, nicht mehr  warm und sanft.<br> <br> Er versuchte sie mit den H\u00e4nden wegzusto\u00dfen, doch stahlhart lagen ihre  Arme um seinen Kopf, da\u00df er meinte, gleich m\u00fcsse dieser bersten. Seine  Lippen, eng an die ihren gedr\u00fcckt, zerplatzen unter dem gewaltigen Sog,  den ihre entfachten, und frisches Blut mischte sich mit salzigem Wasser  in seinem Mund und in seiner Kehle.<br> <br> Mit vor Entsetzen zitternder Hand griff er an seinen G\u00fcrtel, doch seinen  Dolch konnte er nicht erreichen &#8211; mit einer Bewegung von ungeheurer  Geschwindigkeit packte sie seine Hand, und das tat sie mit solcher  Kraft, da\u00df er meinte, die Knochen brechen zu h\u00f6ren. Doch nicht ein  bi\u00dfchen lockerte sie den Griff mit der anderen, nicht einen Deut lie\u00df  ihr Griff nach.<br> <br> Seine letzte Kraft zusammennehmend schlug er nach ihr, doch sie schien  es nicht zu sp\u00fcren, als w\u00e4re sie eine Statue aus blanken Eis &#8211; und so  f\u00fchlte sie sich auch an. Verzweifelt schnappte er nach Luft, doch  stattdessen ran ihm eisiges Wasser des Meeres in die Lungen, f\u00fcllte  diese aus. Farben tauchten vor seinen Augen auf, Farben, die er nie  gesehen hatte, und nie sehen wollte.<br> <br> S\u00e4mtliche Glieder seines K\u00f6rpers erschlafften, wie eine Puppe hing er in  ihren pl\u00f6tzlich so starken, unnachgiebigen Armen. W\u00e4hrend sein Herz zum  letzten Mal m\u00fchevoll schlug, breitete sich eine wohltuende Schw\u00e4rze vor  ihm aus die nie mehr verging. Sie zog ihn mit sich, als sie sich von  der Klippe in das Wasser hinunterst\u00fcrzte.<br> <br> Die Tochter des Meeres hatte sich ihr Opfer geholt.                                 <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie stand da wie ein heller Schein, ein \u00fcberirdisches Wesen im Glanze der roten, untergehenden Sonne, ein Engel ohne Fl\u00fcgel. Als er sie sah, entfachte sie eine Flamme in seinem Herzen, und sie sch\u00fcrte die Glut seiner Gef\u00fclle durch einen einzigen Blick. 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