Sommerzeit ist Wechselzeit

Bastian Schweinsteiger ist weg. Er wechselt von der spanischen Mannschaft Bayern München auf die britische Insel. Jogi Löw betrachtet diesen Wechsel kritisch, da er Schweinsteiger dann nächstes Jahr nicht mehr im Elfmeterschießen einsetzen kann.


Warum geht das eigentlich nicht bei Politikern? Der arme Bernd Lucke von der AfD hat jetzt doch nur eine Chance: eine neue Partei zu gründen. Warum kann er nicht einfach wechseln?


Es hat sich einfach nicht durchgesetzt. Der letzte große Wechsel ist jetzt schon Jahrzehnte her. Otto Schilly, der sich den Grünen anschloss und später zur SPD wechselte.  Erstaunlich war, dass er ehemals die RAF verteidigte, nachher aber der paranoideste Innenminister aller Zeiten wurde. Ehrlich: der muss was gewusst haben.
Da begann ja auch die Zeit der austauschbaren Politik. Leute wie Gerhard Schröder zeigten: ist doch egal, in welcher Partei man gerade ist.

Aber ich stelle es mir lustig vor. Zwei Meldungen in der Tagesschau:
Sophie-Katharina Hackedicht-Tresen, ehemals Vertreterin der Gewerkschaft, momentan FDP, wechselt überraschend zur CSU. Eine Ablöse wird natürlich fällig – wegen Jugendausbildung.

2020: Angela Merkel wechselt überraschend zu SPD. Nachdem sie ihren Spielmacherposten verloren hatte,  saß sie zuletzt nur auf der Ersatzbank. Merkel wörtlich: „Ich hatte immer ein Herz für die Kleinen und möchte hier meine Karriere ausklingen lassen.“ Gerüchte besagen, dass die SPD durch diesen klugen Schachzug dem Abstieg unter die 5%-Hürde entkommen könnte.

Internationale Wechsel wären vielleicht auch möglich. Griechenland bräuchte einen guten Finanzminister. Wenn wir vielleicht Wolfgang Schäuble überreden könnten… gerade im Ausklang der Karriere bietet sich doch ein Wechsel für ein, zwei Spielzeiten in eine drittklassige ausländische Mannschaft an.

Gerade Griechenland bietet doch unheimliche Möglichkeiten. Demokratie haben die zum Beispiel noch gar nicht verstanden.

Die haben tatsächlich vor einschneidenden Änderungen für das griechische Volk das selbige befragt. Das ist nicht Demokratie, da waren sich alle einig. Gut, ich gebe zu: das Volk 5 Minuten nach der Deadline zu fragen ist tatsächlich Verarschung. Der Termin für die Schuldrückzahlung war Monate vorher bekannt, leider hat ihn sich wohl keiner in den Kalender geschrieben. Sonst hätte da im Varoufakischen Kalender gestanden: „30.6. IWF Geld zurückzahlen. Notfalls Sparschwein von Tochter schlachten.“

Die Griechen sind aber auch fies. Während Varoufakis nach seiner Demission an seiner eigenen Legende strickte, häkelte der Spiegel an der Gegenlegende. Besonders schlimm fand man es, dass er im Kreis der Finanzminister nie Krawatte trug. Ein Affront ohne Gleichen. Direkte Bürgerbefragung und keine Krawatten – das kann nix geben. Griechenland muss an westliche Standards heran.

Die Regierung hat auch schnell gelernt. Nur eine Woche nach der Volksbefragung wurde dann genau das Gegenteil im Parlament beschlossen. Das sind endlich europäische Verhältnisse.

Jetzt folgen die nächsten Schritte. Es muss etwas gegen die Korruption getan werden. Die griechische Korruption ist grausig. Das kriegt jeder mit. Griechenland muss hier den deutschen Standard erreichen. Wenn schon Korruption, dann wenigstens so, dass es keiner merkt.

Und als letztes droht in Griechenland ja schon wieder der Zusammenbruch der Regierung. Liebe Griechen: nicht dauernd die Regierung wechseln. Sucht euch doch auch eine Merkel mit wechselnden Partnern. Man spricht hier übrigens analog zum Lebensabschnittsgefährten LAG von RAG, dem Regierungsabschnittsgefährten. Merkel hat zuletzt die FDP in den Wind geschossen und sich der SPD zugewandt. Gerüchteweise ist sie aber schon scharf auf die Grünen.

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