Habe mir mal die Wahlplakate in Mörfelden-Walldorf angeguckt. Mal abgesehen davon, dass viele Plakate einfach nur zeigen, dass Photoshop noch immer “in” ist, kann man sich ja auch mal mit den Inhalten beschäftigen und sich gruseln.
CDU: “24/7 Verantwortung für Mörfelden-Walldorf“ – die sind aber vermutlich alle im Tennisclub zusammen mit dem Berliner Bürgermeister Kai Wegner, oder? Oder geht es um Bildung und die Antwort ist 3,43? Vielleicht haben sie Pi falsch berechnet? Auf jeden Fall Vorsicht: bitte teilt euch das auf. Wenn einer 24 Stunden am Tag arbeitet, dann wird er mit der Zeit bekloppt. Und dauernde Nachtarbeit ist auch nicht gut.
Die CDU möchte übrigens “rechts und links stoppen”. Dabei ignoriert sie die Tatsache, dass auf Rolltreppen schon lange gilt: rechts stehen, links gehen. Aber das ist vielleicht das Bild der heutigen Zeit: die Deutschen möchten vorankommen. Doch die Rolltreppe steht, und mittig auf ihr die CDU, die keinen vorbeilässt.
Die SPD weist daraufhin, dass die Kandidatens aus der Nachbarschaft stammen. Da nur Kandidaten aus der Kommune erlaubt sind, gilt das erstaunlicherweise für sämtliche Kandidatens. Aber schön, dass es der SPD auffällt. (Wobei: es gibt ja auch Kandidatens aus der Nichtnachbarstadt, also Walldorf. Vielleicht doch ein Punkt für die SPD.)
Was hängen die eigentlich in Stockstadt auf? “Deine Kandidatin in der Familie”?
AfD: “Wer Plakate abreißt, hat Demokratie nicht verstanden.” Da gehe ich mit den Experten mit – denn wer, wenn nicht die AfD, hat Demokratie nicht verstanden? Da kennen sie sich aus.
Die FDP verspricht mit Schlagworten statt Inhalten Klartext zu reden und trägt damit schon die Persiflage in sich.
Auch interessant ist, dass die FDP ziemlich grundsätzlich die Regel „Werden Plakate an Masten der Straßenbeleuchtung angebracht, muss der Abstand der Unterkante zur Gehwegoberfläche mindestens 2,4 Meter betragen.“ missachtet. Woran liegt das? Freie Hänger für freie Bürger – wir lassen uns nicht zur Leiter verpflichten? Regeln sind für andere da? Am wahrscheinlichsten hat aber ein Mann die Plakate aufgehängt, die verschätzen sich häufig bei Längenangeben.
Die Grünen möchten gemeinsam MöWa bezahlbar machen. Frage ist nur: wer kauft den Scheiß?
Nur die Linke ist „sichtbar solidarisch engagiert“ – und lässt die Frage aufkommen, was das ziemlich solidarische Engagement mit Russland eigentlich mit der Kommunalwahl in Mörfelden-Walldorf zu tun haben soll…
Hoffnung bietet immerhin die FDP – die bietet wohl ein Whisky Tasting an. Das ist Win-Win: 1. Die haben Wirtschaft verstanden. 2. Die meisten Wahlprogramme hältst Du eh nur besoffen aus.
Apropos besoffen: ist es vollkommene Realitätsverweigerung, wenn die CDU sich für die einzige Partei hält, die die Bürger vor einer Explosion der Grundsteuer retten wird, wenn gleichzeitig laut Freitagsanzeiger der Bürgermeister bis 2029 die Grundsteuer um schlappe 80% erhöhen möchte?
Wie wäre es mal mit Wahrheiten.
CDU: „Ihr seid alle faul!“
FDP: „Kohle für Reiche, die können wenigstens damit umgehen (außer Katharina)!“
Eigentlich haben mich nur zwei Banner in unserer Doppelstadt überzeugt: „Garagenparken“. Da ist die Aussage immerhin mal eindeutig.
Und: „keine Elterntaxis mehr“. Die würde ich wählen.
Treten aber beide nicht an.