Wie sieht eigentlich dieses tolle Leistungsprinzip aus, das immer wieder durch die wirtschaftsnahen Parteien geistert?
Ein gewisser Friedrich Merz sollte nach der Finanzkrise die WestLB verkaufen. Der Bankenrettungsfond hatte ihn beauftragt. Wenn man es genauer betrachtet, war es der Herr Rüttgers. Der war Parteifreund und Ministerpräsident von NRW. Er hat dafür 5000 Euro bekommen. Der Merz, nicht der Rüttgers. Täglich. Da bei ihm täglich auch am Wochenende war, kann man von diesem Geld übrigens 266 heutigen Bürgergeldempfänger ihr Bürgergeld auszahlen.
Auf der anderen Seite muss man sagen: der Herr Merz hat ja was geleistet. Nicht so wie die Bürgergeldempfänger, die nur die Hand aufhalten. Der Herr Merz hat ja eine WestLB verkauft.
Wobei: das ist ihm nicht gelungen. Fair enough: die 266 Bürgergeldempfänger haben das ja auch nicht hinbekommen.
Dafür ist ihm etwas anderes gelungen: er hat mehr als 1 Million kassiert. Das macht ihn zum Leistungsträger und gibt ihm das Recht, auf anderen Leuten, die keine Leistungsträger sind, herumzuhacken.
Und jetzt noch der kleine Dämpfer: wenn in Diskussionen von Leistung und Leistungsträgern die Rede ist, geht es selten um Leistung und Leistungsträger. Es geht um Leute mit Geld. Mit viel Geld. Und darum, Leute, die Leistung bringen oder sich gerne als Leistungsbringer sehen wollen – wer will das nicht –, auf die Seite dieser Leute zu ziehen.
Geld ist toll. Seit es Geld gibt, braucht keiner mehr mit 2 Kühen in der Hosentasche rumlaufen, um sie einzutauschen. Selbst ich als Engelbert Strauss-Arbeitshosen-Träger würde die nicht unterkriegen. Na gut, eine vielleicht.
Aber man hat aus Geldbesitz ein Spiel gemacht, bei dem Leute, die normalerweise als Schmarotzer bezeichnet werden würden, zu Helden aufsteigen. „Er hat Geld, er muss ja was dafür getan haben.“ (Anmerkung: nee, gendern lohnt hier nicht.)