Sterbehilfe

Ich habe etwas zum Thema Sterbehilfe. Und kann verstehen, wenn jetzt die Hälfte nicht weiterlesen möchte. 🙂

Meine Mutter ist gestorben. Ohne Sterbehilfe und ohne Selbstmord, aber selbst bestimmt. Sie hat die Entscheidung für den Tod getroffen, weil sie nie wieder mobil gewesen wäre und für sich nicht gesehen hat, dass sie damit glücklich wäre (zumal sie vorher schon nicht glücklich war).

Sie hatte die Chance, den Tod selbst zu bestimmen, weil sie Dialysepatientin war und „einfach“ die Dialyse verweigern konnte. Von ihrer Entscheidung an bis zu ihrem Tod waren es 10 Tage. Aber 10 Tage, in dem alle Last von ihr gewichen war und sie nochmal die Mutter war, die mich in den ersten Lebensjahren begleitete. Für mich waren im Verhältnis zu ihr die 10 Tage wohl wichtiger als die letzten 20 Jahre.

Sie hatte aus einer „günstigen Konstellation“ heraus die Chance. Andere Leute haben diese Möglichkeit nicht und müssen darunter leiden, dass wir ihnen die Selbstbestimmung in der wichtigsten Entscheidung verweigern. Natürlich müssen wir, wenn wir Sterbehilfe zulassen,

– auf Leute in Ausnahmesituationen wie tiefsten Depressionen achten

– aufpassen, dass Leute nicht von Verwandten in den Tod getrieben werden

– aufpassen, dass das nicht kommerzialisiert wird, das geht nie gut aus

Aber die absolute Verweigerung, Todkranke und Schwerleidende den selbstgewählten Tod zu ermöglichen, ist für mich grausam.