Provital

Mein Verein heißt jetzt TBV ProVital Lemgo. Das hat Kraft, das hat Würde. Pro, das ist auf jeden Fall positiv. Und Vital klingt so lebendig. Gar nicht so, als wären wir Fans verwurstet worden.

Es ist ja nicht so, dass das in einigen Jahren einmalig wäre. Heute empört man sich, übermorgen lacht man dann darüber. Unwahrscheinlich? In Frankfurt stand dereinst ein Stadion im Wald, man nannte es folgerichtig Waldstadion. Gut, mit der gleichen Konsequenz hätte man es damals auch Bruchbude nennen können. Andere waren da übrigens ehrlicher und sprachen wenigstens von ihrem Bruchstadion.

Dann brauchten die Frankfurter Kohle. Erstaunlich, nirgends ist so viel Kohle wie in Frankfurt, und doch hat die Stadt keine. Und weil sie keine Kohle hatten, verkauften sie – nicht das Stadion, nur den Namen. Es wurde quasi verkommerzt. Und heute weiß kein Mensch mehr, wie das Stadion früher hieß. Ob das was damit zu tun hat, dass da eine Menge American Football-Fans reingehen? Die kennen meistens zu Anfang der Saison weder die Namen der Spieler noch den Namen der Liga, in der Frankfurt Galaxy spielt. Hauptsache, sie spielen.

In Hamburg ist man sogar so weit, dass man den Namen des Stadions per Rotationsverfahren vergibt.

In Lemgo kann man die Halle nicht vermarkten, da hat man sich einfach das nächste Opfer gesucht. Man fand ihn im schönen Namen „TBV 1911 Lemgo“. Der ist logischerweise historisch und aus dem Jahre 1945 stammend.

Warum nur der Name? Da ist doch mehr drin. Fiktiver Spielbericht aus dem Jahr 2011:

Vor 2.000 Zuschauern trafen in der Kölnisch Wasser-Arena heute zwei Teams aufeinander, die den Start in die Toyota-Corolla-Bundesliga verpatzt hatten. Der VfL Trienekens Gummersbach hatte sich im ersten Spiel den Rhein-Neckar-SAPlern mit 23:32 geschlagen geben müssen, „Gyrosbude Ali“  Minden hatte beim Duell der fleischverarbeitenden Industrie gegenüber TBV ProVital Lemgo mit 22:28 verloren.

Es entwickelte sich ein einseitiges Spiel, da man Minden die Schwächung – mehrere Spieler lagen mit Fleischvergiftung im Krankenhaus – anmerkte. Schnell konnte sich die Kölnisch Wasserer über 3:1, 7:2, 11:3, 9:5 und 17:4 absetzen. Letzteres war auch der Halbzeitstand. Richard Rad-sporthandlung Humol-ka verlangte von seinen Spielern noch mal alles bei Obi, doch sie konnten keine Schippe aus der Bauabteilung (heute nur 9,99 Euro) nachlegen. Gummersbach konnte den Vorsprung weiter ausbauen. Ein kleiner Wermutstropfen: Die guten Fleurop-Schiedsrichter Gremmel und Gremmel mussten in der 49. Spielminute Storck Gunnarson die rote Rose zeigen, nachdem dieser schon drei Sonnenblumen gesehen hatte. Zu diesem Zeitpunkt war allerdings das Spiel beim Stand von 27:15 schon gelaufen.

Bei Minden konnten sich nur Arne „Gyros mit Tzaziki“ Niemeyer mit 7 Toren und Stephan „noch ne Pommes dabei“ Just (3) hervortun.
Bei den Trienekensern wurde Storck Gunnarsson mit 9 Toren trotz seiner Rose zum Matchwinner, dazu überzeugten Romanbuchhandlung Hugendubel Illic (5) und der Torwart Karlsquell Fazekas.

Vielleicht kommen wir ja irgendwann dahin, dass wir amerikanische Verhältnisse im deutschen Sport haben. Ich hoffe sogar drauf. Dann wird 2020 der FC Bayern München einfach verkauft und spielt unter dem neuen Namen FC Bayern Kiel in der Provinzialarena. Der Torwart Chiquita Kahn verschiebt zum 15. Mal seinen Rücktritt und spielt noch eine Saison weiter – unter dem Trainer Tante „Sie baden ihre Hände in Palmolive“ Käthe. Dann mal guten Appetit.

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