Wir sind deutsch!

Die Ossis hatten Glück. Die mussten vor 16 Jahren keinen Deutschtest
machen, um aufgenommen zu werden. Den fordert nämlich jetzt der Herr
Koch. Der hat nämlich Angst davor, dass die ganzen nicht angepassten
Türken Deutschland kaputtmachen. Wahrscheinlich mit Döner, einem an
Deutsche angepassten Essen. Man kann davon Sodbrennen kriegen.
Eigentlich eine gute deutsche Eigenschaft.

Ich gehe mal einen Schritt weiter: warum sollten die Leute, die eh
schon in Deutschland sind, es besser haben? Ich stelle mir das so vor:
mit 18 gibt es einen großen Staatsbürgertest. Dann durchlaufen alle
deutschen Jünglinge und Jünglinginnen das Prüfverfahren. Wer scheitert,
muss 5 Jahre warten. 5 Jahre ohne Pass und Führerschein. Das bedeutet
auch: die Autobahnen werden sicherer, und Mallorca wieder touristisch
attraktiv (außer man darf innereuropäisch ohne Pass fliegen).

Das kann man aber fortführen: die Staatsbürgerschaft wird nur
für 10 Jahre verliehen. Danach – man könnte das mit der
Personalausweis-Verlängerung koppeln – muss man wieder zum Test. Das
hört sich jetzt hart an: dreißig Jahre Deutscher, einmal nicht
aufgepasst, und man ist raus… aber mal ganz ehrlich: deutsch muss man
doch innerlich sein, die Fragen muss man selbst dann beantworten
können, wenn man gerade geweckt wurde. Kleiner Nebeneffekt: wenn man
die Fragen genau betrachtet, dann werden die Total-Deutschen auf der
rechten Seite des politischen Spektrums sich etwas anderes suchen
müssen.


Haben Sie schon die Fragen gelesen? Die sind toll. Ich stell mir den Beginn einer typischen Befragung erstmal so vor:


„Nennen sie drei deutsche Mittelgebirge!“

„Ja, äh. Die Alpen. Das Eggegebirge. Dolly Buster.“


„Unsere Verfassung garantiert 4 Grundrechte. Welche?“

„ARD, ZDF, Müllabfuhr und … ?“

Im Endeffekt haben wir doch unseren Kulturkampf gegen die bösen
Ausländer längst verloren. Wir essen Döner, Spaghetti oder beim
Griechen, benutzen finnische Mobiltelefone und japanische Autos. Und
das zurecht. Dafür habe ich seit Jahren keinen Bayern mehr in Lederhose
gesehen. Ausser dem Trachten-Toni, der stammt aber aus Darmstadt und
zählt nicht. Es gibt sogar Einwohner der Pfalz, mit denen man sich
mittlerweile verständigen kann. Und zwar mit Worten und nicht wie
früher mit Zeichensprache.


Gut, manchmal geht unser Unwissen etwas zu weit:

„Wie lautet die Nationalhymne?“

„Reinlichkeit und Recht und Freiheit.“

Ich glaube, es war mehr Peinlichkeit?


Aber schon bei der Frage nach drei deutschen Philosophen ist jeder Sportschauer gut aufgehoben:

„Boris Becker, Lodda Maddäus, und dieser andere da… Schopenhauser glaube ich…“


Auf die nächste Frage – „Nennen Sie drei deutsche Dichter…“ – kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen:

„Goethe, Schiller und Lessing.“

Leider weiß der Fragesteller das, die Frage lautet vollständig:
„Nennen Sie drei deutsche Dichter, die nicht in Monopoly vorkommen.“
Stellt sich die Frage: „Gab es da noch welche?

Im Endeffekt wird mein Anliegen aber am Bundesrat scheitern.
Davon ist auszugehen. Denn: „Herr Stoiber, was zeichnet eine Demokratie
aus?“ Das war jetzt gemein, die Frage wurde nämlich mittlerweile
gestrichen, die meisten Politiker konnten sie nicht beantworten. Dafür
reichte es für „Wie heißt der Nationalfeiertag der Bundesrepublik
Deutschland und wann wir er begangen?“ bei allen: „3.Oktober,
Kohl-Gedenktag.“

Insgesamt ist mir der Fragebogen zu theoretisch. Wen
interessiert schon, was Caspar David Friedrich gemalt hat, und warum
überhaupt? Wir brauchen praktische Deutschentests. Der Deutsche in spe
wird in einem eintägigen Accessment-Center auf die Sachen untersucht,
die wirklich wichtig sind:

  • Er muss Sauerkraut essen, oder mindestens eine Currywurst.
  • Er muss sich im Straßenverkehr wie eine Sau benehmen und mindestens 10 originelle Flüche ausstoßen können.
  • Er muss mindestens einmal seinen Sitznachbarn wegen Ruhestörung verklagen.
  • Er muss seinen ADAC-Mitgliedsausweis vorweisen.

Und wenn er das geschafft hat, dann darf er sich auch Deutscher nennen. Oder Arschloch. Aber das hat er sich verdient.

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