Unverstanden

Ich habe die Tage mal ein Bild gesehen. Da redeten 3 Leute miteinander: einer auf französisch, einer auf englisch, einer auf russisch. Sie verstanden aber einander nicht. Das wirkte erst mal komisch.

Dann habe ich eine Bundestagsdebatte gesehen. Da redeten alle deutsch. Mehr oder weniger: Es waren auch Schwaben und Bayern dabei. Alle redeten über das gleiche Thema – glaube ich – aber irgendwie passte das auch nicht zusammen. Das war weniger witzig. Zu überlegen wäre, ob man die Reden einer Bundestagsdebatte einfach vom gleichen Ghostwriter schreiben lässt, dass wäre allein vom Spannungsbogen interessanter.

Abends hatte ich ein Gespräch mit meiner Frau. Wir kommen ja aus der gleichen Gegend. Ich komme aus Westfalen, sie aus dem Rheinland, das ist quasi ein Vorort von Westfalen. Ich weiß nicht mehr, worum es ging, aber nach dem Gespräch wusste ich: Unverständnis ist ein Grundpfeiler unserer Gesellschaft.

Ich kann zum Beispiel nicht verstehen, dass die Frau Merkel Physik studiert haben soll. Da gehört doch Mathematik zum Grundstudium. Trotzdem macht sie folgende Rechnung auf: wir brauchen eine Menge Euro fürs Gesundheitssystem. Dafür zahlen die Bundesbürger dann ein bisschen Krankenversicherung. Jetzt richten wir einen Gesundheitsfond ein. Der bezahlt die Menge Euro, dazu noch ein bisschen Geld für die Ärzte, ein bisschen was für die Pharma-Industrie, noch was für die Krankenhäuser, und – last but not least – noch was für die Verwaltung der Gesundheitsfonds. Und dann wundern wir uns, das nach der Reform mehr als das bisschen Krankenversicherung zu zahlen ist. Hat die noch alle Tassen im Schrank? Moment – Merkel – Physikerin: hat die noch alle Elektronen am Atom?

Ansonsten ist sie aber vollkommen physikalisch in Ordnung. Ich hatte mal einen Physiklehrer, der hat mir beigebracht, wie man Rundungsfehler vermeidet. Man schreibt erst mal alles auf, was zu der Rechnung gehört. Im Normalfall gab das einen langen Bruchstrich mit vielen Zahlen und Einheiten oben und vielen Zahlen und Einheiten unten. Dann hat man gekürzt. Das hat meistens gut funktioniert: Physik in Vollendung.

Das macht auch die Merkel: zuerst mal alles kürzen. Und dann gucken wir, was rauskommt.

Ich verstehe auch nicht den Straßenverkehr. Das geht schon beim Aufbau los. Bei uns gibt es zum Beispiel keine Tempo 30-Zone, obwohl es eine recht enge Straße ist. Jetzt kam es zu höherem Verkehrsaufkommen, als die parallele Hauptstraße eine Woche lang saniert wurde. Frage an die Stadt: „Könnte man denn nicht einfach für die Zeit eine Tempo 30-Zone einrichten?“ Es war nämlich z.B. passiert, dass ein Auto aufgrund von Gegenverkehr auf dem Bürgersteig fuhr (mit 2 Rädern, so groß sind die Bürgersteige auch nicht), kurz vor einer Frau mit Kinderwagen – eine Gegenverkehrslücke ausnutzend – wieder ganz auf die Straße und direkt danach wieder auf den Bürgersteig. Das ganze mit Tempo 50 plus. So eine Art Haider für Anfänger. Antwort der Stadt auf die Frage: „Nein.“ Begründung: „Wir können das ja nicht immer kontrollieren, dafür haben wir zu wenig Leute und es würde sich eh keiner dran halten.“

Nächste Frage: „Kann man nicht dauerhaft Tempo 30 einführen?“ Ja, daran sei gedacht worden. Dafür wären bauliche Veränderungen nötig. Liebe Stadt: wir Anwohner würden die notwendigen baulichen Veränderungen auch selbst vornehmen. Wenn ihr uns die paar Tempo 30-Zonen-Schilder schickt, stellen wir diese an einem Wochenende selbst auf. Und mein Sohn hat im Kindergarten gerade Zahlen gelernt, der kann Tempo 30 auf die Fahrbahn pinseln.

In Düsseldorf gibt es übrigens eine ganz breite Straße, auf der auf einem kurzen Abschnitt Tempo 30 gilt. Das ist aber logisch. Warum? Weil da ein Altenheim ist, eine Schule oder ein Kindergarten? Nein. Da wohnen einfach ein paar reiche Leute. Also: ganz logisch.

Das meiste Unverständnis erwecken aber Sprachen: es gibt ja Leute, die sprechen 10 Sprachen fließend. Bei mir reicht es nur für 2 Sprachen, eine davon tröpfelnd. Es reicht aber nicht, eine Sprache zu sprechen, man muss auch die Leute verstehen, die diese sprechen. Ein Beispiel dafür ist, dass die englische Sprache zwar absolut „in“ ist, die meisten deutschen Englischspezialisten aber eher „out“. Ich rede von Marketingspezialisten, Vertrieblern  und ähnliche Sprachverbrecher. Es gibt schon viele Internetseiten, die sich speziell mit dem Thema befassen. Einen Hauptpreis bekommt derjenige, der sich den Begriff „Body bag“ für einen Rucksack mit nur einem Riemen ausgedacht hat. Seitdem werden eine Menge Leichen gesucht.1

Bei uns ins der Firma wollte mal eine Sekretärin mit ihren Englisch-Kenntnissen prahlen. Leider war sie der Meinung, es hieße „Profit Lost“ und nicht „Profit and Loss“. Mit Hilfe mehrerer Englisch-Bücher konnte sie überzeugt werden. Letzte Äußerung: „als ich noch im Controlling war, hieß es aber „Profit Lost““. Wenigstens das stimmt. Die meisten Firmen haben Controlling nur, um durch die Ausgaben dafür ihren Profit wieder zu verlieren.

Die Deutsche Bahn ist wahrscheinlich Spitzenreiter in Sachen Denglish. Da heißt nichts mehr wie früher. Da geht man zum Ticket Corner, zum Service Point oder zur First Class Lounge. Der Mann, der auf dem Klo aufpasst, dass keiner die 10 Cent-Stücke klaut, heißt wahrscheinlich Piss Point Information Manager. Und die Verspätung wird zu Extra time – mehr Zeit für das gleiche Geld.

Deutsch allein reicht auch. Die Sprache hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Nachdem der Genitiv seinen Exitus erfahren hatte, kam kurz darauf der Dativ dran. Das kann ich sogar beweisen: Nominativ oder Wer-Form lebt noch. Der Carsten geht nach Hause. Eigentlich eine gute Idee. Genitiv wie gesagt tot, ein Beispiel aus meinem Umfeld: es heißt nicht mehr „Der Schnuller des Kindes“. Stattdessen: „Gib den Kind mal sein Schnuller.“  Oder notfalls „Der Schnuller von die Kind“.  Der Dativ oder Wem-Fall ist seit Ente Lippens auch tot. Man gibt nicht mehr mir etwas, sondern: „Gib mich die Kirsche.“ Also: Nominativ und Akkusativ, Wer und Wen, haben wir noch; Genitiv und Dativ, wessen und wem, ist tot. Dafür haben wir einen neuen Fall, den man in anderen Sprachen kannte, den Vokativ. Das ist ein schöner Fall, er ist nämlich sogar regelmäßig. Man muss nur die Vokale duplizieren: Keeeviiiin, komm darunter! Maaaax, rupf nicht dem Hund die Haare aus! Rüüüüdiiigeeeer! Vokativ komme glaube ich von voce, lateinisch Stimme – und die erhebt man dafür.

Ach so, ich wollte noch positiv enden: ich habe vor, eine Partei zu gründen. Das Problem der Etablierten Parteien ist, das nicht jeder in der Zielgruppe ist. Beispielsweise SPD: mit dem „Sozial“ können die Unternehmer nichts anfangen. Obwohl Schröder ja schon einen Kurs vorgegeben hat, der zur Partei „PD“ ohne das „S“ hinführte. Oder CDU: da darf man ja als Moslem gar nicht hin. Die CSU ist schon klüger: christlich und sozial. Das scheinen zwei unterschiedliche Gruppen zu sein, christlich und sozial haben nichts miteinander zu tun.

Meine Überlegung ist, die größte Bevölkerungsgruppe einzubinden. Ich gründe die dpd, die DummenPartei Deutschlands. Wir könnten bis zu 95% holen, Potential ist da. Wir nehmen jeden. Selbst KfW-Manager. Randnotiz: die KfW ist ja wahrscheinlich das lustigste, was in diesem Jahrhundert passiert ist. Ach Moment: die Amerikaner hatten Bush wiedergewählt.

Über den Namen können wir auch reden. Bei der Bild-Zeitung ist ja momentan alles nur noch „Volk“. Der Volks-Computer, der Volks-Film, das Volk-ommene Gefühl, dass in der BILD-Zeitung ne Menge Schwachsinn drin steht. Ich dachte deswegen an Dumme Volks Union. Die Abkürzung DVU gibt es aber schon, sogar mit der gleichen Zielgruppe.

Apropos DVU: Die Republikaner nennen sich in Bayern jetzt mit Zusatz „Die Blauen“. Die Braunen wäre auch zu offensichtlich. Wahlslogan: „Wählt blau.“ Wäre auch der einzige Grund, sie zu wählen: Wenn ich so richtig blau wäre. So hielt sich ja bisher die CSU. Jetzt kostet die Maß 7 Euro, schon gehen die Wähler nüchtern zur Wahl – und die CSU verliert.

Die CSU hat es hart getroffen, die Kabarettisten auch. Erst ist der Beck weg, dann der Beckstein. Es ist nicht so schlimm wie in Österreich, nach dem Tod von Jörg Haider wackelt da ja die ganze Branche. Der Beckstein war immer der Hayder-Abklatsch in Bayern. Auch traurig: sonst ist ja Österreich der Abklatsch von Baxern. In der CSU sind die wichtigen Leute mittlerweile mehr in der 2. Reihe. In die erste Reihe wird so was wie der Beckstein gestellt: man lässt es von der Kette und es beisst. Er forderte z.B. bei Straftaten von Ausländern dauernd die Abschiebung. Als Franke in Bayern war das gefährlich!

Man hat mir mal gesagt: „Die CSU ist Regierung und Opposition in einem, wir brauchen keine anderen Parteien. Die CSU hat immer ungläubig in die DDR geguckt: welch ein Aufwand, um eine große Mehrheit zu erreichen, wir müssen uns da gar nicht erst anstrengen. Heute bedauert man, dass man nicht rechtzeitig das DDR-System eingeführt hat.

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