Abdankung

Ich wollte ja nix mehr sagen. Ich möchte auch nicht nachtreten. Außerdem darf ich nicht über Gutenberg zu schimpfen, denn Satire ist eh nur abschreiben. Meistens aus der Realität.

Das interessante an der ganzen Gutenberg-Affäre ist: es ging keinem in der Opposition um die Wahrheit oder die Unversehrtheit der Wissenschaft. Da ging es um jemanden, der einfach zu gute Populismus-Werte hatte. Wenn behauptet wird, Gutenberg hätte irgendein Ansehen beschädigt, das der Wissenschaft oder das der Politik, ist das einfach nur Schwachsinn.

Was verdammt noch mal soll an Jura eigentlich Wissenschaft? Ein Wissenschaftler ist ein Wissensschaffer, ein Entdecker. Was kann ein Jurist entdecken? Huch, hier habe ich doch ein neues Gesetz entdeckt… zugegeben: als Politiker hätte Gutti dann die Möglichkeit gehabt, das absegnen zu lassen.

Das Problem liegt wieder woanders: Juristen machen eigentlich nix anderes, als Gesetze auswendig lernen. Und der Gutenburg konnte noch nicht mal auswendig lernen, was in seiner eigenen Arbeit er selbst geschrieben hat. Ich glaube deswegen waren die so sauer auf ihn.

Und das Ansehen der Politik, wurde das beschädigt? Wählt irgendeiner noch, weil er einem Politiker glaubt und nicht, weil er das schlimmste verhindern will?

Nur zur Erinnerung: Ex-Präsident Köhler, so eine Art Gutenberg-Vorgänger, ist zurückgetreten, weil er aus Versehen die Wahrheit gesagt hatte.

Ein bisschen wehte ein Hauch von Monarchie durch die Wohnzimmer: von Gutenberg und seine Gemahlin, wir hätten sie als Königspaar akzeptiert. Sie hatten alles, was ein guter Monarch braucht: huldvoll lächelnd, eloguent, gut aussehend, glamourös und doch volksnah, und vor allen Dingen total überflüssig.

Seine Entschuldigung, sein letzter Auftritt, die Abdankung, passte: Ich entschuldige mich bei Ihnen, dass die Presse so viel Wind gemacht hat und sie dabei gestört hat, mir weiterhin ungestört zu huldigen. Ich trete hiermit nach und zurück.

Es ist kein Wunder, dass Frau Merkel sehr unglücklich ist, dass Herr Gutenberg jetzt geht. Er ist ein Politiker nach ihrer Art. Er ist sehr beliebt im Volk.
Wir wollen mal seine großen Erfolge aufzählen:

Äh ja…

Ich glaube er hat mal angefangen, die Bundeswehr zu reformieren. Oder er begann damit anzufangen… also ein Politiker nach Merkels Art: nix tun, aber möglichst gut rüberkommen.

Ach doch, er hat ja wirklich Erfolg gehabt: er hat Kerners Fragen in Afghanistan ausgehalten. Das ist schon eine Leistung, wenn man gegen eine plötzliche Ekelschwellenüberschreitung ankämpfen muss. Deswegen war er schon nach 2 Wochen Krise müde weiterzukämpfen.

Ich bedauere einfach nur, dass er wegen eines Doktortitels, der überhaupt nix mit Politik zu tun hat, zurücktreten musste. Und nicht weil er bei aller Strahlkraft überhaupt nix gebracht hat.

Ich sehe auch alles nicht so positiv: ich befürchte, der kommt wieder. Der Vorzeigeadelige und höchst überschätzte Massenbeweger der SPD, der Herr von Tane – La von Tane -, ist auch wiedergekommen.

Gleicher Abstecher: meine Frau dachte bei adeligen sofort an Graf Lambssdorf. Nein, der ist FDP. Ist einfach zu merken, da gibt es eine Eselsbrücke: Lambsdorf, Steuerhinterziehung, FDP.

Tja, und bei der CSU beginnt jetzt eine Wertedebatte. Bisher hieß das: Na, mit wie viel Promille haben sie dich erwischt? Jetzt geht es um mangelnde Solidarität. Seehofer – das ist der, der jetzt auf den einen Seite froh ist, den Konkurrenten los zu sein, auf der anderen Seite genau den braucht, um sein mangelndes Charisma auszugleichen – Seehofer hat tatsächlich der CDU mangelnde Solidarität vorgeworfen. Die Partei der absoluten Solidarität – unvergessen, wie solidarisch die CSU immer mit den Armen, z.B. mit den Hartz 4-Empfängern war – meckert über fehlende Solidarität. Gut, war eine Verwechselung. Es muss Loyalität heißen. Im organisierten Verbrechen heißt es immer Loyalität, nie Solidarität.

Die CSU hat sich an Gutenberg die Finger verbrannt. Das Hirn war es schon vorher.

Vielleicht könnte Gutenberg mit Gottschalk tauschen. Gottschalk als Verteidigungsminister: wenn da mal ein Krieg droht, setzt der sich hin, tätschelt der Frau des ausländischen Verteidigungsministers die Knie, und dann ist alles gut. Das hat über 20 Jahre so funktioniert.

Und Gutenberg strahlt weiter in die Kamera. Wetten dass sie es nicht schaffen, in 20 Minuten eine Stelle in meiner Doktorarbeit zu finden, die ich garantiert selbst geschrieben habe? Topp, die Wette gilt.

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