Feiern für Deutschland: 50 Jahre Atomkraft

Gut, dass das in Japan passierte. Und nicht hier. Sonst wäre es bei uns ganz schlimm geworden. Sonst wäre Merkel nicht wiedergewählt worden. Obwohl: die hätte uns einen vom Atom erzählt, die ist Physikerin. Es ist wirklich perfekt für uns und die Amerikaner: wir werden gewarnt, und haben mal wieder nicht die Probleme. Wie beim Treibhauseffekt. Irgendwie schafft die Natur es nie, an den richtigen Stellen zuzuschlagen…

50 Jahre Atomkraft in Deutschland. Damit es billiger wird. Wenn man jetzt mal außer Acht lässt, dass  Kernkraftwerke von denen, denen sie billig Strom liefern, subventioniert werden.  Nämlich von uns. Für Forschung und Betrieb, Zwischen- und Endlagerung. Und wenn wir es nicht subventionieren, dann kommen wir auf einen höheren Preis als andere Stromarten. Wobei man fairerweise sagen muss: das Geld ist ja nicht weg. Es ist bei RWE, Vattenfall, E.ON und enBW. Im letzteren Fall also wieder bei uns – wenn wir Baden-Württemberger wären. Und noch fairer: Endlagerung kostet kein Geld, denn die gibt es nicht. Die gibt es nirgendwo auf der Welt. Mal abgesehen davon, dass man für die Endlagerung vielleicht für die nächsten 100000 Jahre schon mal Geld anlegen sollte…

Nebenbei: in Deutschland haftet ja jeder. Wenn jemand einen Kaugummi auf die Straße spukt, und ein Auto bleibt dran kleben und baut einen Verkehrsunfall, dann haftet der Kaugummispucker – wenn man ihn erwischt.  Wenn man mal eben sein Atomkraftwerk explodieren lässt, dann haftet man – für nix. Das macht dann der Staat. Also wir.

Immerhin glaube ich Frau Merkel. Die hat im Interview gesagt, die Atomkraftwerke sind sicher – heute Abend. Das hatte etwas erfrischend peinlich aus Versehen ehrliches. Am nächsten Tag dann aber die richtige Merkel: alle Wissenschaftler hatten ja gesagt, dass da nichts passieren kann mit der Atomkraft. Wirklich alle. Und jetzt sei das Unwahrscheinliche eingetreten, was nie hätte eintreten können.  Mit der Realitätsflucht könnte noch etwas Großes aus Merkel werden – vielleicht amerikanischer Präsident.

Eine Ethikkommission soll jetzt bestimmen, ob wir weiter Atomkraft benutzen. Anders gesagt: Merkel betreibt bei den wichtigsten Entscheidungen aktives Outsourcing.

Dafür werden wir jetzt drei Monate keinen Atomstrom benutzen. In Italien hört man ein ganzes Jahr mit dem Bau von Atomkraftwerken auf – trotz Berlusconi. Kann aber verstehen: in Deutschland sind wir einfach gewohnt, viel schneller Dinge zu vergessen. Das kommt noch von 45.

Drei Monate lang sind die Atomkraftwerke ausgeschaltet. Also total harmlos. Die haben da so einen Knopf: ein – aus. Und dann sind die ganz ungefährlich. Die Japaner suchen gerade noch den Knopf, aber bei uns ist der so rot und gut beschriftet.

Wenn dann der schlimmstanzunehmende Fall eintritt und so ein stillgelegtes Atomkraftwerk trifft – egal ob es jetzt ein terroristisches Erdbeben oder der Tsunami in der norddeutschen Tiefebene ist – dann sind die Brennstäbe total ungefährlich. Das ist wie beim Herd: man muss nur ein paar Augenblicke warten, und die kühlen sich ab und sind ungefährlich. Wenn so ein Augenblick 5 Sekunden lang ist, muss man nur so ungefähr 630.000.000.000 Augenblicke warten. Wunderbar.

Und jetzt also die Prüfung. Die soll mal richtig toll prüfen. Es wird noch mal ganz genau geguckt. Vorher hat man das scheinbar nicht gemacht. Es wird so geprüft, dass man sich fast sicher ist, dass einige Kraftwerke das nicht überstehen. Warum man das nicht vorher gemacht hat? Keine Ahnung. Vielleicht hatte man keine Zeit. Bei den Betreiber war man zu sehr mit Geldscheffeln beschäftigt, bei der Atombehörde zu sehr mit Geld ausgeben.

Mal gucken, was bei den Prüfungen rauskommt. Das wahrscheinlichste Ergebnis: die Wahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg sind danach vorbei.

Dann können wir also weitermachen wie bisher, wenn endlich bewiesen ist, dass wir hier sicher sind. Und immerhin: das Risiko für einen GAU eines Atomkraftwerks liegt bei einem GAU in 40000 Jahren. Bei 450 Atomkraftwerken weltweit wären es dann alle 100 Jahre. China baut gerade Atomkraftwerke, um den Abstand ein bisschen kleiner zu machen. Länder wie USA, Italien und China versuchen die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, indem sie in Tsunami- und Erdbeben-Gebieten bauen. Man will ja was für die Tagesschau bieten.

Ich frage mich nur, warum wir in 50 Jahren Kernkraft schon Tschernobyl, Three Mile Island/Harrisburg, Sellafield, Lucens, Kyschtym  oder Fukushima erlebt haben. Macht nix: Deutsche Kernkraftwerke sind sicher. Seit 50 Jahren. Seit 50 Jahren ist übrigens fast sicher, dass wir wöchentlich einen Störfall in Deutschland haben. Aber nur fast. Manchmal machen wir auch zwei.

Immerhin reagiert haben jetzt die Schweizer. Die haben „Die Simpsons“ aus dem Programm genommen. Denn da wird ein Atomkraftwerk gezeigt, in dem lax mit Sicherheit umgegangen wird. Das will man den Zuschauern nach einem GAU einfach nicht zeigen.

Ich habe ja meine eigene Idee zur Weiterverwendung von Atomkraftwerken. Ich bin dafür. Dafür müssen dann die Verwaltungen von RWE, Vattenfall und Konsorten direkt neben AKWs gebaut werden, Vorstände müssen mind. 50% der Zeit dort verbringen. In Castortransporten müssen immer die Vorstände alle Atommüll-produzierenden Unternehmen mitfahren. Das könnte dann aber wirklich eines sein: das

ENDE.

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