So ein Kindergarten

Hessen kriegt ein neues Gesetz, das mir richtig gefällt: das Kindergarten-Beerdigungsgesetz … Förderungsgesetz. Eine der Kernaussagen ist: Kindergärten brauchen weniger Erzieherinnen. Einerseits kann eine Erzieherin auch mehr Kinder betreuen. Damit spart man schon mal 1/3 der Erzieherinnen. Andererseits können auch ein Viertel der Erzieherinnen durch Nichtausgebildete ersetzt werden.

Das ist die Rache für den letzten Tarifabschluss. Da wird den Mitarbeitern der Kindergärten kurz gesagt: wenn ihr so teuer seid – Kinder betreuen können auch andere. Nebenbei: Gesetze auch. Deswegen schreiben da neben den von uns Gewählten und ihren riesigen Apparaten an gut bezahlten Hilfsarbeitern mit Juristenabschluss meist irgendwelche Lobbyisten mit.
Irgendeiner muss mir mal erklären, warum trotzdem so viele Gesetze vom Verfassungsgericht zerpflückt werden. Vielleicht können wir mal tauschen und die Gesetze von den Kindern schreiben lassen.  Die Gesetze – freie Kaugummis und Ersetzen aller Raucherkneipen durch Spielzeugläden – würden zwar auch vom Verfassungsgericht kassiert werden, aber das ganze wäre viel billiger. Und das Geld könnte man dann für die Bezahlung der Erzieherinnen in den Kindergärten nutzen, da hätte man sogar noch einiges
übrig.

So schlimm ist das ganze gar nicht. Die CDUler  bekommen landein, landaus eingeimpft und dürfen in ihren jeweiligen Kommunen verbreiten: „Keiner wird etwas dagegen haben, wenn Ergotherapeuten und Musikpädagogen in die Kindergärten kommen.“ Komisch: warum stehen diese Worte nicht im Gesetz? Warum steht da nicht: „nur für Kinderförderliche Berufe wie Ergotherapeuten, Musikpädagogen, Nachhilfelehrer und Clowns“. Ach nee, die Clowns müssen ja weiter in Wiesbaden sitzen. Und in die Kindergärten kommen nicht die Ergotherapeuten, sondern jeder andere irgendwie der Kinderbeschäftigung fähige: gescheiterte katholische Pfarrer oder Investmentbanker.

Auch die Vergrößerung der Kindergruppen und damit die Verkleinerung der Erzieherinnenanzahl ist kein Problem. Denn laut CDU entscheiden ja die Träger der Kindergärten, es geht ja nur um die Mindestmenge.

Genau. Und viele hessische Gemeinden befinden sich unter dem Hessischen Rettungsschirm. Das ist so ein Ding mit Spitzen, die nach unten zeigen. Bei dem man das Geld, das das Land den Kommunen in den letzten Jahren abgezwackt hat, dann doch kriegt, wenn man viele Sparmaßnahmen vorweisen kann. Aber bei Kindergärten wird natürlich die Ausnahme gemacht. Vielleicht mit kleinen Auflagen: schließt das Schwimmbad, die Bücherei und die unnötigen sozialen Einrichtungen. Vielleicht auch: jede Kommune schickt 10 Fronarbeiter pro Monat, die bei Volker Bouffier die Garten- und Hausarbeit verrichten. Und dann dürft ihr eine Erzieherin mehr einstellen.

Wenn die CDU und FDP wirklich der Meinung sind, dass sie nicht die Erzieherinnenanzahl senken wollen, warum schreiben sie eigentlich genau das Gegenteil ins Gesetz.

Aber ich finde das wirklich toll. Meine Kinder sind nämlich raus aus dem Kindergarten. Ist doch super, dass nach ihnen nur noch Idioten kommen. Da haben meine ihre Arbeitsplätze sicher. Gerade die Pisa-Studie zeigt, dass man früh mit Förderung beginnen soll. Aber die Mitglieder unserer hessischen Regierung gehören ja noch zu denen, bei denen man sich glücklich schätzen kann, dass noch kein Pisa-Test gemacht wurde. Das wäre ja der liegende Turm von Pisa geworden.

Ich möchte übrigens eine kleine Aufforderung an meine geschätzten hessischen Leser richten: wer hat eigentlich CDU/FDP gewählt? Ich habe noch keinen gefunden.

Passend dazu meldet Spiegel Offline: „Mindestlohn im Schlaf“ verdient. Weil eine Pflegekraft – jetzt nicht für die ganz Jungen, sondern die ganz Alten – vom Gericht Geld für die Zeit zugesprochen bekommen hat, in der
sie Bereitschaftsdienst hatte. Arbeitsrechtler warnen: so wird Pflege unbezahlbar. Wenn man die Pfleger auch noch bezahlen muss, für ihre Arbeit, dann macht das keinen Spaß mehr. Pflege ist auch unbezahlbar. Man gibt Geld aus für nix. Was ist der ökonomische Wert, alte Menschen zu pflegen? Es bringt nichts. Es ist keine Investition in die Zukunft.

Und deswegen verdient eine Pflegekraft auch so viel weniger wie ein Investmentbänker, der mit Zauberfingern mehrere Millionen Euro (oder Dollar oder Franken) erschafft. Ohne dass irgendetwas auf der Welt passieren muss, was wirklich Mehrwert schafft.

Wer pflegt eigentlich dieses kranke System? Und hat derjenige vielleicht nur Bereitschaftsdienst?

Vielleicht müsste man das Wahlrecht ganz anders anpacken: bevor jemand gewählt werden kann , muss er 1 Jahr lang in einer gemeinnützigen Institution gearbeitet haben. Vielleicht sehe dann die Welt anders aus. Befürchtungsweise aber nur in der gemeinnützigen Einrichtung.

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