Corona 8

Heute werden sie wieder laufen auf den Hygienedemos…
Deswegen wollte ich nochmal sagen:

  1. ich finde die Demos erst mal gerechtigtfertigt.
  2. nicht alles ist falsch, was Leute gegen Maßnahmen sagen.
  3. Das Demonstrationsrecht ist ein Grundrecht. Jeder hat die Möglichkeit, seine Meinung zu sagen.
    Wenn es von Leuten mit einer abstrusen Meinung genutzt wird, so ist das nicht schön, aber spricht nicht dafür, dass Demonstrationsrecht einzuschränken oder abzuschaffen.
    Wenn Leute nicht auf Regeln wie Abstandswahrung achten, dann muss man im Einzelfall eingreifen und kann das nicht präventiv verhindern, indem man Demos verhindert.
    Man muss sich allerdings fragen, wie stark über die Demos berichtet werden muss und welche Gesprächspartner sich rauspickt. Aber momentan ist ja scheinbar saure Gurken-Zeit…
  4. Man muss bei Aussagen immer drauf achten, welche Qualität sie haben. Nur weil jemand gängigen Thesen widerspricht, ist er noch kein Verschwörungstheoretiker.
    Wann verbreitet jemand Verschwörungstheorien?
    Eindeutig ist es wohl, wenn jemand QAnon-Adrenochrome, Pizzagate oder Reptiliode in die Gegend trägt – also Sachen, für die es keine Beweise gibt, aber eine Menge Fakten dagegen.
    Schwieriger wird es aber bei Sachen, die einen Kern haben.
    Beispiel: Masken.
    Aussage: Masken sind schädlich, denn man nimmt mehr CO2 auf.
    Das stimmt nicht. Tatsächlich ist das wissenschaftlich untersucht, und die entsprechende Untersuchung ist auch leicht auffindbar.
    Beispiel: Masken sind wie der Davidstern im 3. Reich.
    Das ist schon sehr weit hergeholt. Im 3. Reich war das ein Zeichen für eine Minderheit, die unterdrückt wurde (bis hin zum Mord).
    Man könnte jetzt sagen: okay, dann nehmen wir diese Leute doch einfach mal und sperren sie für mehrere Monate in einen 4qm großen Verschlag, dann können sie da mitreden (das habe ich mir nicht ausgedacht, dass hatte sich das Leben für Hans Rosenthal ausgedacht, als der ein Kind war).
    Der Kern ist aber, dass Leuten die Masken unangenehm sind, und sie nach Begründungen suchen.
    Und es gibt tatsächlich welche: Leute mit Atemproblemen (z.B. Asthmatiker) KÖNNEN Probleme mit den Masken kriegen, andere Leute kriegen Ausschlag davon.
    Dennoch wäre es hier schön, wenn man einfach bei den tatsächlichen Symptomen bleiben könnte – wenn nur diejenigen, die wirklich Probleme damit haben, keine Masken tragen, dürfte das unproblematisch sein.
    Und wenn man nicht aus persönlichen Problemen oder aus Problemen, die andere Leute mit der Maske haben, etwas allgemeingültiges machen. („Ich kann damit nicht atmen! Damit ist das für alle schlecht!“)
    Wer also gegen die Masken argumentiert, kann Verschwörungstheoretiker sein (sie wollen uns unterdrücken!), er kann einfach Falschinformationen nicht durchdenken können (CO2), er kann sich selbst für zu wichtig nehmen (Davidstern) – oder er kann durchaus auch recht haben.
    Es gibt aber neben der reinen Faktenlage noch die Einschätzungs- und Entscheidungsebene.
    Wenn ich die Maßnahmen betrachte, dann gibt es einige bis alle, die durchaus diskutabel sind. Das heisst nicht, dass ich gegen die Maßnahmen bin, sondern dass die Maßnahmen nicht 100% notwendig aus den Fakten resultieren.
    Sämtliche Maßnahmen sind ein Kompromiss – es gibt keine, die nicht auch negative Auswirkungen hat.
    Beispiel:
    Kinder dürfen nicht in die Kita
    Einerseits ist es unschön für die an der Arbeit gehinderten Eltern – andererseits kann das Spuren hinterlassen, beispielsweise Entwicklungsverzögerungen (Sprachentwicklung). Auch schon nach „nur“ 2 Monaten – für Kinder sind 2 Monate eine Ewigkeit.
    Beispiel:
    viele Einrichtungen werden geschlossen
    Dadurch wurden eine Menge Leute arbeitslos oder kamen in Kurzarbeit UND hängen jetzt zuhause rum.
    Daraus können psychische Probleme, Gewalt, sogar Selbstmorde etc. entstehen.
    (Aber: das ist einleuchtend und für jeden verständlich und insofern auch okay in der Diskussion. Was aber wieder die sachliche Ebene verlässt: Leute, die behaupten, dass es beispielsweise weitaus größere gesundheitliche Konsequenzen und Verluste durch Lebenszeit gibt wegen der Corona-Maßnahmen als durch die Corona-Infektionen.
    Außer wenn das mal wissenschaftlich fundiert untersucht wird.)
    Beispiel:
    Leute im Altenheim durften keinen Besuch kriegen.
    Dadurch machen wir auch Leuten das Leben zur Hölle, die gar nicht verstehen, warum wochenlang keiner vorbeikommt.
    Dann kommt man in die Argumentation: ist 1 Monat verlängertes Vorsichhinsterben durch gesunkenes Corona-Risiko tatsächlich wertvoller als 1 Tag mit der Familie?
    Es ist richtig, darauf aufmerksam zu machen.
    Wenn ich das Problem Altenheim betrachte, dann ist es aber schwieriger als von mir gerade dargestellt. Vielleicht wird er eine Bewohner glücklicher, weil die Familie vorbeikommt.
    Auch wenn er dadurch Corona bekommt und eher stirbt. Er steckt dann aber vielleicht den Nebenmann an, der das nicht so sieht. Und die Pflegerin, die zuhause noch zwei Kinder hat…
    Für mich sind die blossen Anhänger von „Drosten hat immer recht, und sämtliche Maßnahmen gegen Corona sind immer gut“ oder „Es gibt keinen anderen Weg“ genauso schädlich wie die Verschwörungsschwurbler.
    Sinnvoll wäre vielleicht, die Leute an den beiden Rändern des Spektrums (also die Schwurbler auf der einen und die fanatischen Infektionskurvenjünger auf der anderen) einfach als das zu nehmen, was sie sind: Randerscheinungen.

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